Zeitung Heute : Kleine Starthilfen

Für Existenzgründer und junge Unternehmer gibt es zahlreiche Förderungen – und eine neue Fibel schafft Überblick

Harald Olkus

Es ist Gründerzeit. Die Zahl der Gründungen nimmt wieder zu, so das Ergebnis des GEM Länderberichts Deutschland 2003. Grund dafür sind zwar keineswegs überschwängliche Hoffnungen auf eine rosige Zukunft seitens der Jungunternehmer. In zunehmendem Maße sei die Entscheidung zur Gründung eher aus der Not geboren und ein Versuch, der Arbeitslosigkeit zu entgehen, sagt Rolf Sternburg von der Universität Köln, der für die Studie verantwortlich zeichnet. Verglichen mit anderen Ländern seien die Rahmenbedingungen für Gründungen in Deutschland allerdings recht gut.

Besonders hervorzuheben sei die Förderinfrastruktur. Bund und Länder, aber auch die EU unterstützen den Start in die Selbstständigkeit durch verschiedene Programme, die vom Überbrückungs- und Startgeld bis zum Investitionskapital für bereits etablierte Unternehmen reichen. Passend zu diesem Ergebnis erscheint zu den Gründertagen auch die neue Förderfibel, die allein für Unternehmensgründer in Berlin mehr als 30 Förderangebote aufweist. Darin erhalten Jungunternehmer und solche, die es werden wollen, einen Überblick über Fördermöglichkeiten, die oft eine interessante Starthilfe sein können. Wer sich erstmals auf die Suche nach Fördermitteln begibt, entdeckt schnell eine Fülle an Möglichkeiten. Ein kleiner Auszug:

Das Überbrückungsgeld etwa können Arbeitslose beantragen, die sich selbstständig machen. Es soll dazu dienen, in der schwierigen Anfangsphase den Lebensunterhalt zu sichern. Der Antrag auf Überbrückungsgeld muss bei der Bundesagentur für Arbeit gestellt werden, die Förderungsdauer beträgt sechs Monate, die Höhe entspricht dem bis dahin ausgezahlten Arbeitslosengeld. Sicherheiten werden nicht verlangt, eine „fachkundige Stelle“ muss allerdings die „Tragfähigkeit der selbstständigen Tätigkeit“ prüfen.

Lediglich zur Sicherung der persönlichen Alters- und Krankenvorsorge ist der Ic h-AG Existenzgründungszuschuss gedacht. Er kann maximal über drei Jahre gezahlt werden und beträgt im ersten Jahr 600 Euro, im zweiten 360 und im dritten 240 Euro monatlich. Gefördert werden Gründer, die vor längstens vier Wochen mindestens einen Tag Arbeitslosengeld bezogen oder an einer Maßnahme der Arbeitsagentur teilgenommen haben.

Etwas anspruchsvoller ist die KfW Mittelstandsbank, die unter anderem das so genannte StartGeld anbietet. Existenzgründer können hier Darlehen bis zu einer Höhe von 50 000 Euro beantragen. Ohne die erforderlichen fachlichen und kaufmännischen Qualifikationen wird hier allerdings kein Geld ausgezahlt. Wenn Sicherheiten vorhanden sind, müssen sie auch herangezogen werden. Das über die Hausbank abgewickelte Darlehen wird aber auch gewährt, wenn sie nicht ausreichen. Das geplante Unternehmen kann für einen gewissen Zeitraum auch als Nebenerwerb geführt werden.

Fast die gleichen Bedingungen gelten für das Mikro-Darlehen , das dieselbe Förderbank herausgibt. Eine Kombination der Zuschüsse und Darlehen ist allerdings möglich – das gilt übrigens für die meisten Förderprogramme.

So genannte Einstellungszuschüs se sollen die Arbeitslosigkeit verringern. Neu gegründete Betriebe können sie erhalten, wenn sie Mitarbeiter einstellen, die zuvor arbeitslos waren. Die Arbeitnehmer müssen jedoch vor der Einstellung mindestens drei Monate Arbeitslosengeld bezogen oder an einer Arbeitsbeschaffungsmaßnahme oder Weiterbildung teilgenommen haben. Die Förderung gilt für Arbeitgeber, die vor weniger als zwei Jahren gegründet, und weniger als fünf Beschäftigte haben, der Zuschuss kann maximal zwei Mitarbeitern gleichzeitig gewährt werden und beträgt höchstens 50 Prozent des Bruttolohns.

Neben Förderungen für Freiberufler, Handwerker und Hochschulabsolventen gibt es die Unternehmerkapital-Darlehen im Rahmen der ERP-Wirtschaftsförderung. Sie gelten in unterschiedlichen Phasen der Selbstständigkeit (von 0-2, 2-5 und über fünf Jahren Unternehmensalter) und sollen die Investitionstätigkeit der Betriebe unterstützen.

Weitere Informationen über Fördermöglichkeiten für Existenzgründer gibt es bei:

Berliner Senatsverwaltung für Wirtschaft, Arbeit und Frauen, Telefon: 030 / 90 13 84 44 oder 90 13 81 15, www.berlin.de/senwiarbfrau. Bundesministerium für Wirtschaft: www.bmwi.de. Investitionsbank Berlin (IBB): Telefon: 21 25 47 47, www.investitionsbank.de. Investitionsbank des Landes Brandenburg (ILB), www.ilb.de. Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW), www.kfw.de. Industrie- und Handelskammer Berlin (IHK), Telefon: 31510-600, www.ihk-berlin24.de. Handwerkskammer Berlin, Telefon: 259 03 - 467, www.hwk-berlin.de

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar