Zeitung Heute : Kleine Truppe

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Die libanesische Armee ist ein zerbrechliches Gebilde. Außerdem gibt es keine zuverlässigen Informationen über die genaue Stärke. Auf der Homepage der Armee ist nicht zu erfahren, wie viele Soldaten und Offiziere sie zählt. Angaben internationaler Militärexperten schwanken zwischen 60 000 und 75 000 Mann. Die Waffen sind veraltet, Marine und Luftwaffe nur in Ansätzen existent. Mit den rund 10 000 Kämpfern der Hisbollah, hochmotiviert und von iranischen Revolutionsgarden trainiert, kann es die Armee nicht aufnehmen.

Ein weiteres Problem der Truppe: Sie

ist durchzogen von religiösen und politischen Bruchlinien. In ihnen spiegelt sich der fragile Zustand von Staat und Gesellschaft. Im Bürgerkrieg brach die Armee auseinander. Auch heute sind alle 18 Religionsgemeinschaften im Militär vertreten. Analog zum Posten des Staatspräsidenten muss der Oberkommandierende ein maronitischer Christ sein. Obwohl die Schiiten ein Drittel der Bevölkerung stellen und damit die größte konfessionelle Community, verhindert der seit der Unabhängigkeit des Libanon geltende Religionsproporz die Übernahme des höchsten Amtes in Staat und Armee. Andererseits sind vermutlich die Hälfte der Soldaten Schiiten. Dass sie sich an einer Entwaffnung ihrer Glaubensbrüder der Hisbollah beteiligen, ist kaum zu erwarten.

General Michel Sulaiman führt die Armee seit 1998. Syrische Truppen standen im Land, der Nachbar kontrollierte auch Libanons Armee. Sulaiman muss zumindest damals eine prosyrische Haltung vertreten haben. Ob er sich heute gegen Syrien stellen würde, das die Hisbollah unterstützt, ist fraglich. fan

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