Zeitung Heute : Kleiner Autotest

Der Tagesspiegel

Von Bernd Matthies

Wer eine Polizei beurteilen will, kann sich die Polizisten ansehen. Halten sie sich gerade? Riechen sie angenehm, beherrschen sie die bürgerlichen Umgangsformen? Oder wir betrachten, pars pro toto, die Autos der Polizisten: Kreuzen sie aggressiv über die Boulevards, übersät von Beulen und mit brabbelndem Achtzylinder, wie in Amerika? Vermitteln sie den Eindruck effizienter Geschäftigkeit wie die silbergrauen Bayern–Limousinen, für die es immer einen Harry zum Vorfahren gibt? Manchmal sind sie gar ein Sinnbild bürgerlicher Gemütlichkeit wie die klapprigen VW-Bullys, die uns stets wie eine rollende Sozialstation vorkamen: „Junger Mann, nun nehmen Sie mal das Messer aus der Leiche und kommen rein, damit wir drüber reden können.“

Nichts gegen das hübsche Auto namens Smart. Es ist eine possierliche Einkaufstasche, passt als Drittwagen noch in jede Garage und erschließt zwergenhafteste Parklücken. Aber sind diese Vorteile so gravierend, dass wir unsere Polizisten in diese Fahrzeuge hineinwünschen? Und wenn ja: Welche Botschaft übermitteln sie mit ihrem Eintreffen? „Achtung, gleich kommt ein richtiger Polizist“? Es wäre lustig zu beobachten, wie die Polizei mit einem Dutzend Smarts eine Hauptverkehrsstraße sperrt, und eine 24-Stück-Eskorte gäbe Staatsempfängen ganz neues, modernes Gepränge. Konsequenterweise müssten dann freilich auch die hohen Gäste per Smart transportiert werden, am besten, indem man ihnen den Schlüssel in die Hand drückt. Bis nachher! Das würde immerhin auch die Finanzlage der Stadt sehr schön versinnbildlichen.

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