Zeitung Heute : Kleiner Eingriff gegen das Schnarchen

Claus-Dieter Steyer

Kanzler Schröder besucht die Celon AG in Teltow: Das junge Erfolgsunternehmen hat eine schonende Kur für die Schlafstörung entwickelt

Teltow. Ob der Bundeskanzler kräftig schnarcht und sich seine Familie darüber ärgert, war trotz intensiver Recherche nicht zu erfahren. Falls er aber doch mit dem Volksleiden kämpft – immerhin schnarchen allein in Deutschland rund 20 Millionen Menschen –, könnte er sich heute über eine Erfolg versprechende Behandlungsmethode ins Bild setzen lassen. Denn Gerhard Schröder macht sich wieder einmal zu einer Stippvisite nach Brandenburg auf.

Er trifft sich am heutigen Mittwoch zunächst mit Schülern und Lehrern in Ludwigsfelde, ehe er am Mittag bei der Celon AG in Teltow vorbeischaut. Die junge Firma gehört zu den Erfolgsunternehmen in Ostdeutschland und verdient ihr Geld zu einem guten Teil mit dem Kampf gegen das Schnarchen.

Die Erfindung der 1999 gegründeten Firma hört sich kompliziert an: Bipolare Radiofrequenz-induzierte Thermotherapie. „Dahinter verbirgt sich ein gezielter lokaler Stromfluss, der ein punktuell krankhaft wucherndes Gewebe entfernt“, erklärt Pressesprecherin Christina Müller. Mit einer Celon-Sonde könne ein Hals-Nasen-Ohren-Arzt einen kurzen ambulanten Eingriff vornehmen und überflüssiges Gewebe am Gaumensegel, im Zungengrund oder in der Nasenmuschel straffen. Das Ergebnis sei sofort durch ungestörte Nachtruhe spürbar.

Der Unternehmensgründer und Vorstandsvorsitzende Kai Desinger will dem Kanzler die Vorteile dieser Methode erklären. „Alle Betroffenen können schnell, nahezu schmerzfrei und ohne Blutungen behandelt werden“, versichert er. Außerdem sei das Verfahren viel schonender im Vergleich zu herkömmlichen chirurgischen Eingriffen unter Vollnarkose und Klinikaufenthalt. Auch gegenüber einer Behandlung mit Laserstrahlen weise die Celon-Methode Vorteile auf. Derzeit greifen in Deutschland schon nahezu 200 HNO-Praxen auf die Erfindung aus Teltow zurück, weltweit sind es 900. Etwa 100 000 Menschen seien dadurch vom Schnarchen befreit worden.

Große Zukunft verspricht sich die derzeit rund 30 Mitarbeiter zählende Firma von der Anwendung der Technologie auch im Kampf gegen den Krebs. Lebertumore von bis zu fünf Zentimeter Durchmesser könnten ohne chirurgische Intervention komplett entfernt werden, sagt Desinger. Auch bei gutartigen Prostatavergrößerungen würde die Celon-Sonde zum Einsatz kommen.

Die Idee, den Bundeskanzler und seinen Ost-Beauftragten Manfred Stolpe zu diesem erfolgreichen Unternehmen einzuladen, hatte Brandenburgs Ministerpräsident Matthias Platzeck. Er sah sich im Januar in den Forschungs- und Produktionsräumen um und sagte anschließend: Die Celon AG zeige, „dass die Menschen in der Region die Ärmel hochkrempeln und mit Ideen und Engagement die eigene Zukunft gestalten können“. In den vergangenen Jahren lag die Wachstumsrate des Unternehmens bei 40 Prozent. Selbst der starken amerikanischen Konkurrenz fühlen sich die Teltower laut ihrem ChefDesigner um ein bis zwei Jahre voraus. Vor kurzem wurde die Celon AG mehrheitlich von der Hamburger Olympus GmbH übernommen, ebenfalls eine auf den Medizin-Geräte-Bau spezialisierte Firma.

Ursprünglich hatte die Uckermark auf eine Kanzler-Visite in diesem Frühjahr gehofft. Allerdings gilt diese Region nicht als Zukunfts-, sondern als Auslaufmodell. Eine Arbeitslosenquote von 23 bis 27 Prozent und eine dramatische Abwanderung in den Westen machen große Teile der Uckermark zur „Schnarch-Landschaft“ – ohne Aussicht auf rasche Besserung.

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