Zeitung Heute : Kleines Geld, große Chance

Das Deutsche Mikrofinanz Institut unterstützt Langzeitarbeitslose beim Schritt in die Selbstständigkeit

Matilda Jordanova-Duda

Einige hundert Euro für Werkzeug, einen gebrauchten Lieferwagen – und fertig ist der mobile Hausmeisterservice. Für einen Langzeitarbeitslosen kann das eine neue Chance sein, aber auch solche Peanuts sind nicht immer leicht zu beschaffen – und für eine Bank ist ein solcher Kunde auch nicht gerade attraktiv. Denn es kostet viel Aufwand, seinen Antrag zu bearbeiten. Gewinn springt für sie kaum heraus. Aus Sicht des Geldgebers sind auch Teilzeit- und Nebenerwerbs-Gründungen schwierig zu bewerten: Dennoch machen sie die Hälfte der neu geschaffenen Unternehmen in Deutschland aus.

Das 2004 gegründete Deutsche Mikrofinanz Institut (DMI) füllt diese Lücke. Es will Existenzgründern ab Januar ohne die üblichen Sicherheiten zum Startkapital verhelfen. Dabei geht es um Summen bis maximal 15 000 Euro.

Der Mechanismus der Mikrofinanzierung existiert seit den 70er Jahren. Damals lieh die Grameen-Bank aus Bangladesch besitzlosen Bäuerinnen geringe Beträge, mit denen sie beispielsweise eine Nähmaschine kaufen und eine Schneiderei eröffnen konnten. Auch die KfW beleiht seit Jahren Handwerker und Einzelhändler in der Dritten Welt sowie in Osteuropa über lokale Partnerbanken. Die Rückzahlungsquote liegt bei über 95 Prozent, mehr als Geschäftsbanken aus betuchteren Schuldnern herausholen.

Am DMI sind über 30 Gründungszentren bundesweit und die GLS Gemeinschaftsbank Bochum beteiligt. Sie ist die älteste deutsche Bank, die sich auf die so genannte „ethische Finanzierung“ spezialisiert. Für die Mikrokredite hat sie einen Fonds aufgelegt und will in den nächsten zwei Jahren mindestens 500 Mikrokredite an ehemals Arbeitslose vergeben.

Zunächst werden fünf Gründungszentren akkreditiert. Sie sollen über die Kreditwürdigkeit eines Jungunternehmers entscheiden und dessen Hausbank eine Empfehlung erteilen. Dabei sichere das DMI, so Oliver Förster vom Stuttgarter Gründungszentrum Exzet und Vorsitzender des DMI-Akkreditierungsausschusses, die Forderung der Hausbank zu 100 Prozent ab. Außerdem betreue das Gründungszentrum den Kreditnehmer während der Darlehenslaufzeit, in der Regel 24 Monate, so dass für die Bank geringere Kosten anfielen. Beratung und Betreuung sind wesentliche Komponenten, weil bei der Mikrofinanzierung Persönlichkeit und Umfeld des Kleinunternehmers im Mittelpunkt stehen. Beginnend mit Kleinstbeträgen, kann sich der Kreditnehmer später auch größerer Summen würdig erweisen und dann als Kunde des regulären Banksektors in Frage kommen.

Im Kampf gegen die Armut und Arbeitslosigkeit wird die Mikrofinanzierung oft als Allheilmittel gepriesen. Professor Udo Reifner vom Hamburger Institut für Finanzdienstleistungen (IFF) warnt jedoch davor, Langzeitarbeitslose in die Selbstständigkeit zu drängen, denn nicht jeder eigne sich dafür. Seine Sorge: Am Ende bekäme man eher überschuldete Pleitiers statt florierender Kleinunternehmer. Durch die Gruppenbürgschaften, so die Erfahrungen aus dem Ausland, sei auch oft Druck auf den Schuldner ausgeübt und seine persönlichen Rechte seien eingeschränkt worden.

Die Mikrofinanzierung in den westlichen Ländern sieht Reifner als eine Art Parallelökonomie, verursacht dadurch, dass sich die Geschäftsbanken zunehmend aus der Finanzierung des Mittelstands und der weniger begüterten Privatkunden zurückziehen. Gleichzeitig sieht der Forscher auch Chancen für eine nachhaltige Entwicklung, wenn die Mikrokredite professionellen Kriterien und dem Verbraucherschutz genügen und vor allem die Mittellosen zum Umgang mit dem Geld erziehen. Die UNO hat jedenfalls 2005 zum Jahr der Mikrofinanzierung erklärt.

Weitere Infos im Internet:

www.microlending-news.de/dmi

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!