KLEISTTRAGÖDIELuk Perceval inszeniert „Penthesilea“ : Die Liebeskriegerin

Sandra Luzina

Sein „Molière“-Projekt war ein richtiger Schocker. Wenn Luk Perceval nun Heinrich von Kleists Trauerspiel „Penthesilea“ inszeniert, dann begibt sich der belgische Berserker wieder auf ein emotionales Schlachtfeld. Die Liebe und der Krieg – sie sind im Grunde eins bei Kleist. Als Penthesilea, die Königin der Amazonen, auf den Griechen Achilles trifft, ist es um sie geschen. Sie verliebt sich in den heldenhaften Krieger, obwohl das den Geboten ihres Frauenstaates widerspricht. Und sie fordert ihn immer neu zum Kampf heraus.

Als sich das Paar ein letztes Mal auf dem Schlachtfeld trifft, will sich Achilles aus Liebe unterwerfen, doch Penthesilea verkennt seine Absicht. Im Wahn der Liebe und der Wut stürzt sie sich auf ihn, tötet und zerfleischt den Geliebten mit den Zähnen. Als sie aus ihrem Rausch erwacht, empfindet sie ein „vernichtendes Gefühl“ und tötet sich selbst.

„Mein innerstes Wesen liegt darin (...) der ganze Schmutz zugleich und Glanz meiner Seele“, schrieb Kleist über seine „Penthesilea“. Perceval zeigt nun eine radikalisierte Lesart des Trauerspiels. Die Amazonen sind verwitwet, vergewaltigt und traumatisiert, die Griechen vom fortwährenden Feldzug verhärtet und verroht. In einer Welt, in der der Krieg zum Alltag gehört, ist es unmöglich, Liebe zu leben. Die großartige Katharina Schüttler hat schon in „Hedda Gabler“ gezeigt, dass sie eine gefährliche Frau ist. Hier nun verkörpert sie die moderne Liebeskriegerin – und wenn eine den Wahn und die Raserei der Amazonenkönigin glaubhaft verkörpern kann, dann ist es Schüttler. Sandra Luzina

Schaubühne, Di/Mi 19./20.2., (Voraufführungen), Do 21.2.,

20 Uhr (Premiere), 6-38 €

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar