Zeitung Heute : Klima für Entwicklung

Dagmar Dehmer

Die Weltbevölkerung wird in den kommenden 40 Jahren von 6,7 auf 9,2 Milliarden Menschen wachsen. Wie wirkt sich dieser Anstieg auf den Klimawandel aus?


Zynisch betrachtet ist das Bevölkerungswachstum für das Klima kein Problem – solange es in Entwicklungsländern stattfindet. Bis 2050 rechnen die Vereinten Nationen (UN) mit 9,2 Millionen Menschen auf der Erde. Das Wachstum werde vor allem in den 50 ärmsten Ländern der Welt stattfinden, prognostizieren die UN. Das sind auch genau jene Staaten mit den geringen klimaschädlichen Treibhausgasemissionen – insgesamt, aber auch pro Kopf. Für das Klima wäre es weitaus schlimmer, wenn die Bevölkerung in Europa oder den USA deutlich wachsen würde.

Pro Kopf gerechnet ist ein Amerikaner für den Ausstoß von 20 Tonnen Kohlendioxid (CO2) pro Jahr verantwortlich, ein Bürger von Katar bringt es sogar auf 60 Tonnen jährlich. Deutschland liegt bei einem CO2-Ausstoß von zehn Tonnen pro Kopf und Jahr, ein Chinese ist für etwa 2,5 Tonnen CO2 pro Jahr verantwortlich. Dagegen kommt ein Bürger der Demokratischen Republik Kongo gerade mal auf 0,04 Tonnen pro Kopf und Jahr. Ähnlich sieht es in Afghanistan, Niger oder Uganda aus. Dort rechnen die UN mit dem größten Bevölkerungswachstum.

Sollten die UN andererseits mit ihren Bemühungen Erfolg haben, die Armut in den Entwicklungsländern zu verringern, hätte das schnell negative Auswirkungen auf das Klima. Es sei denn, es würde gelingen, dort ein Wirtschaftswachstum zu erreichen, das nicht auf Kosten des Klimas geht. Bisher gibt es nur wenige Beispiele dafür. Allerdings ist es keine Zwangsläufigkeit, dass mehr Wachstum unbedingt auch mehr Ausstoß an Kohlendioxid bedeutet. In Deutschland und Großbritannien ist es inzwischen gelungen, den Energieverbrauch und damit den CO2-Ausstoß vom Wachstum abzukoppeln. Um ein klimafreundliches Wachstum zu erreichen, reicht das allein aber nicht aus.

Nach Berechnungen des amerikanischen Wissenschaftlers Dennis Meadows, der im Jahr 1972 das Buch „Die Grenzen des Wachstums“ veröffentlicht und es seither zwei Mal aktualisiert hat, lebt die Menschheit schon seit Anfang der 90er Jahre „auf Pump“. Die Grenzen des Wachstums seien damals schon überschritten worden. „Unserer Ansicht nach war es zu Beginn der 90er Jahre nicht mehr möglich, eine Grenzüberschreitung durch vorausschauende Politik zu vermeiden – sie war bereits Realität. Zurzeit läge die Menschheit um etwa 20 Prozent über einer umwelt- und klimaverträglichen Nutzung der Ressourcen, sagt Meadows.

Schuld daran haben allerdings nicht die Menschen in den Entwicklungsländern. Sie tragen zur Zerstörung der Erde und zur Aufheizung der globalen Durchschnittstemperaturen kaum bei.

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