Klimaschutz : Autokäufer kümmert Umwelt kaum

Der Klimaschutz steht beim Autokauf in Deutschland nicht an erster Stelle. Im ersten Quartal 2009 habe der durchschnittliche CO2-Ausstoß pro Kilometer 156 Gramm betragen. Klein- und Mittelklassewagen verbrauchen aktuell kaum weniger Sprit als vor zehn Jahren. Der Verband der Deutschen Automobilindustrie sieht die deutschen Hersteller dennoch auf einem guten Weg.

Dagmar Dehmer Henrik Mortsiefer

Berlin - Klimaschutz scheint für Autokäufer nicht besonders wichtig zu sein. Das zeigt die Antwort der Bundesregierung auf eine Kleine Anfrage der grünen Bundestagsabgeordneten Bärbel Höhn. Demnach betrug der durchschnittliche Kohlendioxidausstoß der hierzulande neu zugelassenen Autos im vergangenen Jahr 165 Gramm pro Kilometer, drei Gramm weniger als 2007. Im ersten Quartal 2009 habe der durchschnittliche CO2- Ausstoß pro Kilometer 156 Gramm betragen. Damit liegen die neuverkauften Fahrzeuge auf deutschen Straßen noch immer deutlich über dem von 2015 an gültigen Grenzwert der EU von 130 Gramm.

Der Verband der Deutschen Automobilindustrie (VDA) sieht die deutschen Hersteller dennoch auf einem guten Weg. Durch die Einführung der „Umweltprämie“ seien die in Deutschland neu zugelassenen Fahrzeuge deutlich sauberer geworden, sagte ein Sprecher, weil es sich vor allem um Kleinwagen handele und neue Fahrzeuge „grundsätzlich effizienter“ seien. „Neuwagen, die mit Prämie verkauft wurden, haben einen CO2- Wert von durchschnittlich 143 Gramm je Kilometer“, sagte der VDA-Sprecher. „Damit wurden durch die Umweltprämie 1,2 Millionen Tonnen CO2 eingespart.“ Der VDA ist zuversichtlich, dass der deutsche Fahrzeugmarkt die EU-Klimavorgaben von 2015 an einhalten wird. „Das erfordert noch eine große Anstrengung, aber im Flottendurchschnitt werden wir das EU-Ziel erreichen“, sagte der Sprecher. Eigentlich hatte sich die europäische Autoindustrie verpflichtet, bis 2008 einen durchschnittlichen CO2-Ausstoß von 140 Gramm pro Kilometer zu erreichen.

Höhn sagte dem Tagesspiegel: „Dass Klein- und Mittelklassewagen aktuell kaum weniger Sprit verbrauchen als vor zehn Jahren liegt hauptsächlich an der zunehmenden PS-Aufrüstung, weil die Autos immer schwerer werden.“ So schlage ein 13 Jahre älterer Golf III den aktuellen Öko-Golf knapp beim Verbrauch. Die Abwrackprämie habe dazu geführt, dass „die älteren Modelle mit verhältnismäßig viel Verbrauch gut weggegangen sind“. Wenn in den nächsten Jahren neue und sparsamere Modelle auf den Markt kommen, „werden sie aufgrund der vorgeholten Nachfrage deutliche Absatzschwierigkeiten bekommen“.

Aus der Anfrage geht auch hervor, dass die Deutschen von Energiesparlampen trotz ihrer offensichtlichen ökonomischen und ökologischen Vorteile noch nicht überzeugt sind. So wurden 2008 rund 23,5 Millionen Energiesparlampen aber 205 Millionen Glühbirnen verkauft. Im ersten Quartal stieg der Verkauf von Glühbirnen nach Angaben der Gesellschaft für Konsumforschung sogar noch einmal um 17 Prozent, während er in Frankreich um 8,6 und in Großbritannien sogar um 22,5 Prozent zurückging. Nur in Österreich horten die Verbraucher ebenfalls konventionelle Glühbirnen. Der Grund dafür ist das in der EU geplante Glühlampenverbot, dessen erste Stufe zum 1. September 2009 in Kraft tritt. Von da an sollen konventionelle Glühbirnen mit 75 Watt oder mehr nicht mehr verkauft werden dürfen.

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