Zeitung Heute : Klimawandel als Renditequelle

Bei der Eindämmung der Folgen wird es Verlierer und Gewinner geben

Der fortschreitende Klimawandel, der die Schlagzeilen der Presse bestimmt, stellt die Weltwirtschaft vor bislang nicht gekannte Herausforderungen. Während die Skeptiker zu beruhigen versuchen und das Phänomen des Klimawandels bezweifeln, vertreten andere die Auffassung, dass der Klimawandel in den nächsten zwei Jahrzehnten allenfalls verlangsamt, jedoch nicht wirklich gestoppt werden kann.

Für Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) besteht jedoch kein Zweifel: Der Klimawandel ist keine Fantasie – er findet tatsächlich statt. In der Konsequenz heißt das, dass die einzuleitenden Schritte zur Eindämmung der Erderwärmung die Wirtschaft in Gewinner und Verlierer spalten werden. Bei einer eingehenden Analyse der Folgen klimatischer Veränderungen auf dem Globus sind vor allem zwei Dimensionen zu berücksichtigen. Auf der einen Seite steht die klimatisch-natürliche und auf der anderen die regulatorisch-marktwirtschaftliche Dimension des Klimawandels.

Letztere umfasst staatliche Maßnahmen, mit denen die negativen Folgen gemildert und der Klimawandel gebremst werden sollen. Diese Maßnahmen wirken sich in den einzelnen Bereichen der Wirtschaft stärker aus als die Veränderungen des Klimas selbst. Davon ist jedenfalls Branchenanalyst Eric Heymann überzeugt.

Die von Regierungsseite verabschiedete Klimapolitik kann nicht als kurzes Strohfeuer interpretiert werden, sondern als langfristige Aufgabe. In vielen Geschäftszweigen übersteigen die ökonomischen Chancen des Klimawandels die Risiken. Einige Unternehmen des deutschen Maschinen- und Anlagenbaus – eine der großen Stützen der deutschen Volkswirtschaft – werden zu den Gewinnern zählen. Das Gleiche gilt für die Produzenten von Energien aus erneuerbaren Energieträgern. Dagegen werden die Hersteller fossiler Energien wie Öl, Gas und Kohle auf längere Sicht zu den Verlierern zählen. Konkret heißt das aber auch, dass das Energiedilemma der Welt dazu führen wird, dass große Investitionen in die Energieforschung vorgenommen werden. Weitere Gewinner des Klimawandels sind die Unternehmen der Bauwirtschaft, die zum Beispiel von der Gebäudesanierung profitieren sollten. „Grob gewichtet kann eine Unterteilung zwischen zwei Dritteln Gefahren und einem Drittel Chancen vorgenommen werden“, so Philipp Vorndran, Stratege von Credit Suisse Asset Management, der nicht nur negative Entwicklungen auf die Börsianer zukommen sieht. Banken und Kapitalanlagegesellschaften haben Zertifikate und Fonds auf den Markt gebracht, mit denen der Anleger in den Megatrend Klimawandel investieren kann. U. R.

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