Zeitung Heute : Kloiber zockt - die Mannschaft bangt

Matthias Hochstätter

Wie verschachert man TM 3 und die Champions League am besten? Eine Frage, die sich nicht nur Rupert Murdoch stellt, sondern auch Minderheitsgesellschafter Herbert Kloiber. Der Münchner Filmhändler, der den einstigen Frauensender im August 1995 aus der Taufe hob, verkündet der Öffentlichkeit und den TM 3-Mitarbeitern standhaft, Murdochs 66 Prozent-Anteil wieder zurückzukaufen. Gegenüber dem Tagesspiegel hatte er angegeben, mit dem niederländischen Kabelnetz-Konzern UPC eine "europäische Sender-Familie" aufbauen zu wollen. Der Rückkauf-Vertrag mit Murdoch sei unterschriftsreif. Doch Kloiber lässt die Öffentlichkeit und die Fußballfans im Unklaren.

Hinter den Kulissen zofft sich Kloiber mit Murdoch, dass die Fetzen fliegen. Murdoch will TM 3 nicht einfach so fahren lassen. Im Gegenteil: Jetzt will er TM 3 ganz haben und Kloiber an die frische Luft setzen. Und Kloiber soll möglichst schnell die Rechte an der Champions-League abgeben. Die Königsklasse wandert dann zu RTL und Premiere World. Für die Top-Spiele müssten die Fans blechen. Kloiber habe überhaupt kein Rückkauf-Recht, sagt Murdochs Justiziar Jay Itzkowitz: Vielmehr habe Murdoch eine Option, seinen Anteil auf 85 Prozent aufzustocken.

Es ist mal wieder an der Zeit, dass Anwälte beschäftigt werden. Der Streit um TM 3 hat für Kloiber nur ein Ziel: den Preis hoch zu treiben. Wenn Kloiber seinen TM 3-Anteil abgibt, verlässt der gebürtige Österreicher damit die deutsche TV-Szene. Auf seinen Rückzug in die Alpenrepublik würde er gut 30 Millionen Mark von Murdoch als Abfindung mitnehmen.

Kloiber geht auf die 60 zu. Keiner würde es ihm übel nehmen, wenn er künftig ein bisschen langsamer tritt. Keiner? Zurück blieben TM 3-Geschäftsführer Jochen Kröhne und eine Mannschaft, die innerhalb eines Jahres einen Frauen-Sender beerdigt und einen Fußball-Sender aus dem Boden gestampft haben. Was wird aus Stefan "Ich-hab-viel-dazugelernt" Kuntz? Was aus dem Fußball-Invaliden Matthias Sammer? Die Zukunft des TM 3-Teams bleibt ungewiss. Die Stimmung sei auf dem Tiefpunkt, sagt Kröhne: "Keiner weiß, ob wir platt gemacht werden oder nicht." Geht TM 3 an Murdoch, bleibt der Sender nicht lange in seiner Obhut. An deutschem Free-TV ist er seit seinem Einstieg bei Premiere World nicht mehr interessiert. Murdoch ist Pay-TV-Fan. Verkauft er den ungeliebten Sender weiter? An Kirch? Der hätte noch eine weitere Abspielstation für sein Film-Arsenal, könnte den Opernball zum zehnten Mal servieren und nochmals Reibach bei den Werbegeldern machen. Oder Kirch opfert TM 3 und verschafft damit N 24 die begehrten Kabelplätze. Dann müssten die Landesmedienanstalten zwei Augen zudrücken. Oder wäre Michael Kölmel der Richtige? Der Filmhändler und seine Kinowelt wollen ja unbedingt ins TV-Geschäft einsteigen, auch wenn Experten darüber den Kopf schütteln. Immerhin hätte Kölmel mit TM 3 bessere Chancen beim DFB. Dort hat er sich nämlich um die Rechte an der Fußball-Bundesliga beworben (zusammen mit Kloiber). Doch mit einem Verkauf an Kölmel würde Murdoch seinem Premiere World-Partner Leo Kirch vor den Kopf stoßen. Denn der Kirch-Sender Sat 1 will auch an die Bundesliga ran.

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