Zeitung Heute : Kochen lernen vom Chef persönlich

Edle Spezialitäten oder Berliner Deftigkeiten: Der Trend zum Kochstudio weitet sich immer mehr aus

Bernd Matthies

Im Leben jedes zivilisierten Mitteleuropäers kommt irgendwann der Moment, da er entweder kochen kann – oder zutiefst bedauert, es nie gelernt zu haben. Da es aber nie zu spät zum Lernen ist, profitiert eine ganze Branche von diesem Effekt, allen voran die guten Köche, die die sinkenden Restaurantumsätze immer mehr durch Kochkurse ausgleichen. Noch vor einem Jahrzehnt mussten die Meister zu jeder einzelnen Veranstaltung dieser Art überredet werden, heute offerieren sie ihre Programme meist schon lange vorab im Internet. Und viele Köche, die mit einem eigenen Restaurant auf den Bauch gefallen sind, satteln gleich ganz um. Es war keine Überraschung, als der bekannte Küchenchef Volker Drkosch nach der abrupten Schließung seines Frankfurter Restaurants „Brick“ jetzt mit der Planung eines Kochstudios begann.

Der Trend ist in ganz Deutschland augenfällig und natürlich auch in Berlin angekommen. Markus Semmler, einst in der Tiergartener „Mensa“ am Herd, hat jetzt mit Unterstützung der Relexa-Hotelgruppe in der Anhalter Straße 7 ein solches Studio eröffnet. Über die Website www.relexa-cooking.de ist das Programm zugänglich; wer erst einmal schnuppern will, kann jeden Mittwoch einen Platz buchen, wird dann vom Meister komplett versorgt wie im Restaurant und kann ihm zumindest über die Schulter gucken.

Bei Michael Hoffmann, dem besternten Chef des „Margaux“, heißt das Konzept etwas edler „Ecole culinaire“, läuft aber auf das Gleiche hinaus. Auch Hoffmann veröffentlicht die Termine dieser Kochschule de luxe im Internet, und er hat jetzt zusätzlich ein „Atelier du chef“ eingerichtet, in dem 20 Gäste an seiner Arbeit teilhaben können (www.margaux-berlin.de). Matthias Buchholz, Chef im „First Floor“ des Palace-Hotels, offeriert Ähnliches (www.palace.de), hat aber die Termine für 2005 noch nicht festgelegt. Überhaupt gilt die Regel: Fragen Sie den Koch Ihres Vertrauens. Die meisten sind gern bereit, für eine angemessene Zahl von wissbegierigen Amateuren ihre Küche zu öffnen.

Als Forum für ökobewusste Hobbyköche sieht sich „Biolüske“, der Öko-Markt in der Drakestraße 50 in Lichterfelde. Dort wurde vor einigen Wochen ein Kochstudio auf der Empore des ehemaligen Kinosaals eingerichtet. Ohne Internet keine Informationen mehr: Diese hier sind zu finden unter www.biolueske.de.

Aus einer anderen Ecke kommen Angela Giellert und Anke Meiswinkel, zwei diplomierte Ökotrophologinnen, die einst im Bewag-Kochstudio geköchelt haben. Als das geschlossen wurde, gründeten sie die „Cookeria“, eine private Kochschule, die nicht nur das Küchenhandwerk lehrt, sondern auch den geselligen Aspekt im Auge behält. Die Website www.mitfreundenkochen.de deutet darauf hin. Ihr Programm ist naturgemäß breiter angelegt als das sehr persönlich orientierte der Top-Köche – es reicht von Grundkursen über deftige Berliner Spezialitäten bis zur Fitness-Küche.

Auch in Restdeutschland boomt das Kochkurswesen. Aus dem riesigen Angebot sei hier nur der unbestrittene Hit genannt: Die Journalisten und Autoren Martina Meuth und Bernd Neuner-Duttenhofer kochen nicht nur im WDR-Fernsehen, sondern lassen sich auch auf ihrem Gut im Nordschwarzwald persönlich auf die Finger sehen, besonders gern beim Zubereiten feuriger asiatischer Spezialitäten aus dem Wok, die sie selbst am liebsten mögen.

Wegen der weiten Anreise bieten sie nur mehrtägige Kurse – man wohnt und frühstückt unten im Ort und geht zum Lernen (und geselligen Essen) nach oben ins Gutshaus. Auch hier hilft die Website weiter: www.apfelgut.de bietet alle nötigen Informationen.

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