Zeitung Heute : Kochen, waschen, bügeln, putzen

Um Geld zu sparen, vergeben die Krankenhäuser Dienstleistungen an externe Firmen. Das steigert ihre Effizienz um bis zu 25 Prozent – und lässt ihnen mehr Zeit für Behandlung und Pflege

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Von Carsten Brönstrup Im Unfallkrankenhaus Berlin bleibt heute die Küche kalt. Morgen auch, ebenso übermorgen. Die Patienten müssen trotzdem nicht hungern oder selbst zum Kochlöffel greifen. Sie bekommen wie üblich ihre Tabletts mit genau temperierten Mahlzeiten ans Bett gebracht. Geliefert hat das Essen nicht die hauseigene Küche, sondern der Dienstleister Klüh. Die Krankenschwestern müssen nur noch „Guten Appetit“ wünschen.

Tätigkeiten auszugliedern ist einer der wichtigsten Trends in der Krankenhauslandschaft. Reinigung, Wäsche, Betten beziehen, Verpflegung, Instandhaltung der Häuser, Rasen mähen, Säuberung von Operationsbesteck – in den Kliniken gibt es eine Fülle von Tätigkeiten, für die es nicht unbedingt medizinisches Fachpersonal braucht. Und das Potenzial wächst. „Die Häuser müssen produktiver werden – jetzt machen sie das, was mittelständische Unternehmer schon seit jeher tun müssen, um sich am Markt zu behaupten“, sagt Wilhelm Schräder vom Institut für Gesundheits-Systemforschung Iges in Berlin. Vor allem personalintensive Tätigkeiten werden unter die Lupe genommen. Es geht um einen lukrativen Markt – auf bundesweit 6,3 Milliarden Euro schätzt die Unternehmensberatung Interconnection Consulting Group den Umsatz mit den ausgelagerten Dienstleistungen. Bis 2010 soll gar ein Wachstum auf 15 Milliarden Euro drin sein.

Ein kleines Stück vom Kuchen hat sich die Vanguard GmbH gesichert. Medizinische Einwegprodukte, die nach einmaliger Benutzung früher im Müll landeten, bereitet der Betrieb in Mahlsdorf auf, so dass sie wiederverwendet werden können. Herzkatheter, Skalpelle oder Sonden aus 1000 Kliniken in Europa werden mittlerweile gereinigt, desinfiziert, getestet, sterilisiert, verpackt – und dann wieder in die Kliniken geliefert. Die sparen dabei bis zu 50 Prozent des Einkaufspreises. Rund 800 Leute arbeiten derzeit für Vanguard, das seinen Sitz in Mitte an der Friedrichstraße hat.

Ein gutes Geschäft lässt sich auch mit den Dienstleistungen rund ums Krankenhaus selbst machen. Die Platzhirsche dabei sind etablierte, bundesweit tätige Unternehmen wie die Mittelständler Zehnacker oder Klüh. Aber auch Branchenfremde wie der Baukonzern Hochtief oder der Gebäudereiniger Gegenbauer haben den Markt entdeckt. Denn die Kliniken stehen unter Kostendruck (siehe Kasten) – sie fahnden in jeder Sparte nach Einsparpotenzial.

Dabei übernehmen die Privaten nicht einfach das Gebäudemanagement von den Krankenhäusern und erledigen das Gleiche für weniger Geld. Oft werden Tochterfirmen gegründet, an denen das Spital die Mehrheit von 51 Prozent oder mehr hält, der externe Dienstleister den Rest. „Solange wir das Sagen haben, muss die neue Servicefirma keine Mehrwertsteuer abführen – das spart schon mal 16 Prozent“, sagt Harry Düngel, Geschäftsführer des Servicemanagements beim Klinikkonzern Vivantes. So erledigt etwa die Firma Berendsen die komplette Wäscheversorgung – und Vivantes behält bei einem Anteil von 70 Prozent die Übersicht. „Unsere Leute profitieren vom Know-How der Externen“, berichtet Düngel. Ähnlich ist das Verfahren beim Reinigungsbetrieb Vivaclean, bei dem Zehnacker der Partner ist. Ganz auf Private zu setzen ist für Vivantes aber schon wegen des Kündigungsstopps bis 2010 kaum sinnvoll.

Auch die Dussmann-Gruppe ist groß im Geschäft – sie ist seit Jahresbeginn zusammen mit anderen Firmen an der Charité Facility Management GmbH beteiligt. Die Dienstleistungen an allen Charité-Standorten, die bislang 140 Millionen Euro pro Jahr kosteten, sollen bis 2010 um 25 Prozent billiger werden – indem Strukturen vereinfacht und verschlankt werden. Die Mitarbeiter stellt die Charité, das Know-How kommt von den Privaten. Die ließen sich den Zuschlag für den lukrativen Auftrag zwei Millionen Euro kosten.

Anders machen es private Klinikbetreiber – etwa Helios, der Häuser in Buch und in Zehlendorf betreibt. Dort erledigt man die Arbeit lieber in Eigenregie – zum Ärger der externen Dienstleister. „Einige Abläufe sind so komplex, dass es besser ist, sie selbst zu regeln“, sagt Werner Ukas, Geschäftsführer des Helios-Hauses in Zehlendorf. Ohnehin sei es bei zwei Standorten in Berlin oft effizienter, Aufgaben wieder selbst zu erledigen, statt sie auszulagern. „Und bei der Qualität würde es ein Externer auch nicht besser machen“, ist Ukas überzeugt. Nebeneffekt: Die Helios-Mitarbeiter fühlen sich als Einheit – statt aus vielen Dienstleistern von außen zusammengewürfelt zu sein. „Alle haben das Schicksal des Unternehmens in der Hand – das darf man nicht unterschätzen“, glaubt er.

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