Zeitung Heute : Kölle alaaf! Tritt der Rhein über die Ufer? Wird das Kölsch teurer? (Glosse)

Joachim Huber

Die Kölner laufen aufgeregt durcheinander. Da muss wenigstens der Rhein über die Ufer geschwappt sein. Oder das Kölsch wird knapp. Oder der 1. Köln steigt wieder auf. Nichts derart Spektakuläres ist eingetreten - es herrscht Wettbewerb. Wettbewerb auf einem Zeitungs-Schauplatz, der keinen Wettbewerb kennt. Köln ist eine DuMont-Schauberg-Stadt. Absolut würde Kurfürst Alfred Neven DuMont herrschen, wäre da nicht noch die "Bild"-Ausgabe Köln aus dem Axel Springer Verlag. Kein hartes Ringen, die Verlage haben sich arrangiert, durchaus typisch für dieses Zeitungsland, das ausgesprochen untypisch in Berlin eisenharte Konkurrenz unter den Tageszeitungen erlebt. Nach Köln muss dann schon ein norwegisches Verlagshaus kommen, um die Betonplatte anzuheben. DuMont Schauberg schreit auf, Springer schreit auf. DuMont Schauberg aus regionalen Verlustängsten, Springer aus strategischen Gründen. Jedem Wettbewerber sollen die Zähne gezeigt, damit keiner auf die verwegene Idee kommt, in sehr ertragreichen Springer-Städten - Hamburg! - aufzutauchen. Nun sucht der Schibsted-Konzern den Marktzutritt am Rhein mit einer sogenannten Gratis-Zeitung: Verzicht auf Verkaufserlöse, Finanzierung allein über Anzeigen. Springer und DuMont antworten in gleicher Münze. Köln ist mit kostenlosen Zeitungen überschwemmt. Auf die Marktöffnung wird mit Marktverstopfung reagiert. Der Berliner Zeitungsmarkt kennt das Phänomen der Zeitung zum Nulltarif. Das Produkt Tageszeitung leidet. Was nichts kostet, kann auch nichts wert sein.

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