Zeitung Heute : Köln wählt per Mausklick

Der Koffer ist 30 Kilo schwer, einen Meter lang, 65 Zentimeter breit und schlichte 20 Zentimeter hoch: Ausgeklappt ist er Wahlkabine, Stimmzettel und Urne zugleich.600 dieser "elektronischen Wahlgeräte" stehen für die Europawahl am 13.Juni in Köln bereit.Damit ist die Rheinmetropole die erste Stadt in Deutschland, die diese Computer flächendeckend für ihre rund 670 000 Wahlberechtigten einsetzt.

Projektleiter Ludger Ahrens-Beck vom Kölner Wahlamt erhofft sich "eine schnellere Bekanntgabe des Ergebnisses, weniger ungültige Stimmen und eine Ersparnis für das Stadtsäckel".Nach zehn Wahlen, so hat er errechnet, haben sich die Ausgaben amortisiert.In den Niederlanden sind Stimmenzählgeräte schon seit rund zehn Jahren im Einsatz.

Berührungsängste der Wähler hatte man bei einem Test in zehn Kölner Wahllokalen während der letzten Bundestagswahl nicht festgestellt."Im Gegenteil, alle waren überrascht, wie einfach das ist", berichtet Ahrens-Beck.Auf einer Art Bildschirm sieht der Wähler einen Stimmzettel, der dem aus Papier entspricht.Statt wie früher mit einem Bleistift einen Kreis anzukreuzen, berührt er mit dem Finger einen schwarzen Punkt der Partei seiner Wahl.Der Name der so gewählten Partei erscheint in einem kleinen Fenster.Wird er durch Knopfdruck bestätigt, ist der Wahlvorgang abgeschlossen und der Stimmzettel in der elektronischen Urne gelandet.

Hat sich jemand "verwählt", sind vor der endgültigen Stimmabgabe noch Korrekturen möglich.Wer will, kann auch auf den Knopf "ungültig" drücken."Das entspricht einer Enthaltung, die der Gesetzgeber im Wahlgesetz aber nicht vorgesehen hat", erklärt Ahrens-Beck.Ungültige Stimmzettel wird es nicht mehr geben.Etwa solche, bei denen zwei Parteien angekreuzt oder die durch schriftliche Zusätze entwertet wurden.Geschummelt werden kann nicht.Erst wenn der Wahlvorstand des Wahllokals das Gerät per Knopfdruck freigegeben hat, kann gewählt werden.Der elektronische Helfer akzeptiert nur eine Stimme.

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