Zeitung Heute : Königinnen der Nacht

Die gute Beleuchtung im Schlafzimmer verbindet Funktion mit Atmosphäre

Nora Sobich

Das Ritual ist meist eingespielt. „Schatz, mach doch mal bitte das Licht aus.“ „Nur noch ein Kapitel . . .“ Klick! Damit im gemeinsamen Schlafzimmer keine Streitigkeiten um die Lichthoheit ausbrechen, strahlt in der Regel an beiden Seiten des Bettes eine Lampe. Die Frage ist nur, ob Halogenstrahler mit raffinierten Dimmern, ob kleine Schirmlämpchen mit An- und Ausstrippe wie Schnürsenkel oder ob praktische, gleich in das Bettmöbel integrierte Nachttischlämpchen? Gerade in Schlafzimmern, in denen man sich an freien Tagen auch mal bis zum Mittag rumlümmeln will, sollte die Lichtquelle etwas mehr als die reine biedere Bettatmosphäre verbreiten.

Beim Berliner Einrichtunghaus Modus empfiehlt man für die wohligen Stunden vor dem Einschlafen einen Klassiker aus den späten fünfziger Jahren, die 1959 von dem langjährigen Scharoun-Assistenten und späteren TU-Professor Günter Ssymmank entworfene Leuchte Ssymmank. Diese auf einem Spiralfuß wippende Stehleuchte, die seit Anfang der achtziger Jahre im „Museum of Modern Art“ in New York steht und inzwischen von Mawa-Design bei Potsdam wieder produziert wird, verbreitet ein wunderschönes, warmes, weiches Licht. Ihr poetischer, an eine Fantasieblume erinnernder Leuchtkopf aus den damals revolutionären Materialien Polycarbonat und Polyamid (Nylon) setzt sich aus acht Blütenblättern zusammen, die sich je nach Helligkeitswunsch auf- und zuklappen lassen.

Tatsächlich ist die Lichtquelle im Schlafzimmer längst nicht mehr an das kleine Nachttischchen gebunden. Bei vielen Lampenmodellen hat man inzwischen die freie Wahl. Sie können je nach Wunsch als Steh-, Tisch- oder Wandleuchte geordert werden. Ein bewährtes Modell, das sich auch in vielen Hotels als Standard-Bettleuchte durchgesetzt hat, ist die in diversen Varianten angebotene Archimoon Soft, die von Philippe Starck Ende der neunziger Jahre für Flos entworfen wurde. Als schlichte Wand-Variante empfiehlt Aynur Batmaz vom Eichrichtungshaus Odama in Berlin-Mitte die Archimoon Soft für eher reduziert und minimalistisch gehaltene Schlafzimmer. Die Lampe besticht vor allem durch gymnastische Beweglichkeit und ist zudem noch schlafzimmertauglich gekleidet: mit feinem hellen Plisséschirm. Ebenfalls minimalistisch sparsam und variabel in ihren Verstellmöglichkeiten ist die Leuchte Parentesi (Flos). Achille Castiglioni hat sie 1970 gleichsam als Andenken an den berühmten jungen Designer Pio Manzù gestaltet, der nicht einmal dreißig Jahre alt bei einem Autounfall ums Leben kam und versteckt in seinen Unterlagen den Prototypen für dieses Modell hinterließ. Ein einfacher Reflektor hängt hier an einem mit einer Bodenscheibe beschwerten Drahtseil, das an der Decke befestigt ist. Je nach Lichtbedarf lässt sich der drehbare Strahler ganz bequem in der Höhe verstellen.

Einige Lampen verweigern allerdings die eindeutige Zuordnung. Zu ihnen gehören Daphine von Lumina oder Tolomeo von Artemide, die sich wegen ihrer hohen Funktionalität sowohl für den Arbeitstisch als auch für das Bett als perfektes Leselicht eignen. In Sachen Atmosphäre tragen sie allerdings wenig zur Raumbeleuchtung bei. Da sollte man schon dem Ratschlag von Batmaz von Odama folgen und die Stimmung durch eine separate Lichtquelle auf der Kommode verbessern. Als typisch traditionelle Nachttischleuchte empfehlen sich vor allem Modelle, die sich mit ihren Materialien schön in den Schlafraum fügen. Etwa die von einem weißen Tuch bedeckte, auf drei langen Beinen stehende Lampe Rosy Angelis (Flos) von Starck. Oder die skulpturale Biagio (Flos).

Die wohl unerreichbare Königin der Nacht ist die Tischlampe 1853. Der Franzose Max Ingrand – ein Mann, der seltsamer Weise völlig unbekannt geblieben ist, entwarf das Meisterstück 1954 für Fontana Arte. Die Lampe ist in ihrer Gestalt so einfach schön, wie man es sich für den Nachttisch nur wünschen mag. Sie besteht aus nichts anderem als aus Murano-Glas. Sie ist nur in Weiß zu haben, passend zum klassisch weißen Leinenlaken. Zwei innerseitige Lichtquellen lassen die Tischlampe 1853 von Kopf bis Fuß erstrahlen. Je nach Stimmung können nur ihr bauchiger Fuß oder ihr weicher Schirm oder beides zusammen erleuchtet werden.

Vielleicht haftet Nachtischlampen immer noch etwas Spießiges an. So werden neuerdings auch weit ausladende Stehleuchten am Bett postiert, die man eigentlich nur aus Wohnzimmern kennt. Peche de Nuit (Angel der Nacht) nennt sich ein 2002 von Pascal Mourgue für Ligne Roset entworfenes Stehlampen-Modell. Es hat die Form einer Angelrute und einen Schirm aus weißem Jersey, der so nachtmützenartig aussieht, dass er Spitzwegs Armen Poeten in seinem biedermeierlichen Betttraum gefallen haben könnte.

Eine noch raffinierter ausladende Stehleuchte bietet Ligne Roset mit Mama für das Schlafzimmer. Dieses Modell mit glanzverchromtem Baumwollschirm und schwarz lackiertem Standfuß hat eine verstellbare "Ausladung" des Schirms, der sich bei Bedarf fast wie eine Deckenlampe bequem über das Bett ziehen lässt. Absoluter Favorit unter den Bettleuchten ist bei Ligne Roset Barbara. Sie steht gerade wie ein Besenstil und zwar kurz oder lang und gibt mit ihrem hütchenhaften Lampenschirm aus Opalglas ein schönes, warmes Licht. Barbara wird am besten an beiden Seiten des Bettes platziert, so wird Missstimmungen der Bettbewohner vorgebeugt und vor allem eine schöne Harmonie des Raumes erzeugt.

Weitere Informationen im Internet:

www.mawadesign.de

www.ligne-roset.com

www.fontanaarte.it

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