KÖPFE UND KORALLENHöfische Kunst aus Benin : So schöne Zähne

Christina Tilmann

Geschmückt mit Korallenschnüren, begleitet von zahmen Raubkatzen, trat der Oba, der König von Benin, 1897 den britischen Eroberern entgegen. Der festliche Auftritt jedoch half ihm nicht viel: Die neuen Kolonialherren trieben den König ins Exil, die höfische Kunst Benins wurde in alle Welt verstreut. Etwa 3000 Objekte wurden 1897 in London versteigert oder eher verschleudert. Ein gewichtiger Teil davon landete in Berlin, wo sich heute die weltweit größte Sammlung höfischer Kunst aus Benin befindet. In einer großen Sonderausstellung präsentiert nun das Ethnologische Museum gemeinsam mit dem Pariser Museum Quai Branly, dem Art Institute of Chicago, dem Museum für Völkerkunde Wien und der National Commission for Museums and Monuments in Nigeria eine Auswahl von über 300 Meisterwerken.

Stücke wie die meisterhaften majestätischen Altarköpfe, die verstorbene Königinnen (Iyoba) darstellen, gehören schon längst zu den Prunkstücken des Ethnologischen Museums, die inzwischen selbstbewusst als Kunstwerke behandelt und in ihren ästhetischen Reiz der Nofretete gleichgestellt werden. Auch Figurengruppen aus Messing und prächtig beschnitzte Elfenbeinzähne, die an die Arbeiten des Benvenuto Cellini erinnern, gehören zu den Prunkstücken aus dem 15. bis 19. Jahrhundert. Vielleicht aber sind all diese Vergleiche auch schon wieder kolonial? „Die Ausstellung erinnert die Welt einmal mehr an eine durch die Macht des kolonialistischen Empire beschnittene Zivilisation“, hat Oba N’Oba Erediauwa, der heutige König von Benin, 2007 gesagt. Christina Tilmann

Ethnologisches Museum Dahlem, Fr 8.2. bis So 25.5. Di-Fr 10-18, Sa/So 11-18 Uhr

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