Zeitung Heute : Körpersprache: Mimik und Gestik sind oft entscheidender als Worte

Beate Henes-Karnahl

Erfolg im Beruf hängt nicht allein von Tüchtigkeit, Können und Belastbarkeit ab, sondern immer mehr auch von der Kommunikationsfähigkeit. Argumente sind wichtig - doch was nutzen sie, wenn man sie als Person nicht glaubhaft machen kann? Person und Persönlichkeit drücken sich im Auftreten, in der Mimik, in der Stimme, in den Bewegungen aus: in Körpersprache. Karin Webur hat das gerade unangenehm erfahren. Ein lange angekündigtes Personalgespräch, in dem die Diplom-Kauffrau auch nach einer Gehaltserhöhung fragen wollte, fand endlich statt. Sie war nervös, zeigte Unsicherheit. Sie selbst merkte das gar nicht - aber ihr Chef. Eigentlich lief das Gespräch zufriedenstellend, doch das Mehr an Geld wurde abgelehnt. Was war passiert? Karin Webur war einfach nicht selbstsicher. Ihre Körpersprache hat das das unzweideutig signalisiert.

Wie Karin Webur geht es vielen. Wäre es deshalb nicht sinnvoll, die eigene Körpersprache kontrollieren zu lernen, sprich Weiterbildungsseminare in Sachen Mimik und Gestik zu besuchen? Das Bonner Weiterbildungsmagazin managerSeminare hat dem Thema Körpersprache einen ganzen Titel gewidmet. Für den Beitrag "Starke Wirkung ohne Worte" wurden Leser zu einer Fax-Befragung aufgefordert. Das Ergebnis: 71 Prozent der Poll-Teilnehmer halten Körpersprache für ein wichtiges Weiterbildungsthema in kommunikationsorientierten Berufen, nur fünf Prozent sehen die Beschäftigung mit dem Thema als "alchimistischen Humbug" an. 86 Prozent sind der Meinung, dass Körpersprache eingesetzt werden kann, um Ziele durchzusetzen. Elf Prozent vertrauen ausschließlich auf die Macht ihrer Worte.

Möglicherweise aus gutem Grund. Samy Molchow, Pantomine und Guru der Körpersprache, weiß, dass der Besuch eines Seminars über nonverbale Kommunikation kaum ausreicht, um sich selbst ins richtige (Körper-)Licht zu setzen. Körpersprache sei zu großen Teilen unbewusst und instinktiv. Und Claudia Schmidtbauer, Personalreferentin bei Allianz, beruhigt Bewerber: Bei der Personalauswahl entscheide immer noch die fachliche und persönliche Qualifikation. Doch auch sie sagt: "Wer mir nicht in die Augen schauen kann, kann mir erzählen, was er will".

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