Zeitung Heute : Kohl regiert

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Der Bremer Bürgermeister kam schon gesättigt an. Henning Scherf hatte am Donnerstag bereits mit dem Bundeskanzler zu Abend gegessen, bevor er einen Abstecher in seine Landesvertretung unternahm. Dort stand „Kohl und Pinkel“ auf dem Tisch – zu dem deftigen Wintergericht aus Grünkohl, Pinkel- und Kochwurst, Kassler und Salzkartoffeln lud erstmals die seit Herbst amtierende Bremer „Botschafterin“, Staatsrätin Kerstin Kießler, in die Tiergartener Hiroshimastraße. Etwa 250 Gäste – darunter Herbert Knoblich, Präsident des Landtags Brandenburg, Marianne Brinckmeier, Ex-Vizepräsidentin des Berliner Abgeordnetenhauses, Hans Speidel, ehemaliger Berliner Standortkommandant – „pinkelten“ an langen Tafeln: was nach bremischer Mundart nichts anderes heißt, als den Bauch vollschlagen.

Erstmals dabei war Friedel Drautzburg aus der „Ständigen Vertretung“, der Gastronom aus dem Rheinland wollte lernen, was es mit dem norddeutschen Nationalgericht auf sich hat. Neben Kohl-Witzen gehört vor allem ein Grünkohlkönig dazu. Das wird eigentlich der, der am meisten von dem krausen grünen Kohl vertilgt. Die Bremer wählten einfach so auch schon mal den Autor Horst Pillau zum Herrscher über den Kohl. Rainer Speer, der Chef der Brandenburger Staatskanzlei, genoss 2001 das Vertrauen für das fern von Preußen geerntete Gemüse.

In diesem Jahr ist es der CDU-Landesvorsitzende der Bremer. Bei der Wahl von Bernd Neumann wurde etwas geschummelt. Nicht, weil das Mitglied des Bundestages am meisten vom Grünkohl verdrückte, wurde er zum König gekürt. Vielmehr, weil für Neumann „ein Leben ohne Kohl kein Leben ist“, sagte Kerstin Kießler launig. Der neue Grünkohl-König habe nicht nur schon acht Jahre mit Kohl zu tun gehabt, sondern Kohl sogar kürzlich zu seinem „60.“ am Tisch. hema

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