Kolumne : Die beste Diät

Unser Gesundheitsexperte Hartmut Wewetzer fahndet nach guten Nachrichten in der Medizin. Heute: Wie man abnimmt.

Hartmut Wewetzer
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Hartmut Wewetzer ist Leiter des Wissenschaftsressorts.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Wer abnehmen will, hat die Qual der Wahl. Unzählige Diätformen sind auf dem Markt und werden in Illustrierten angepriesen. Oft sehen die Rezepte so lecker aus und sind so raffiniert fotografiert, dass man eher den Eindruck hat, es handle sich um eine Einladung zum Schlemmen. Da ist natürlich Schönfärberei im Spiel. Denn wer abspecken will, muss sich nun einmal in Askese üben und sollte besser gar nicht ans Essen denken. Welche Diät man dann auswählt, ist zweitrangig – Hauptsache, weniger Kalorien! Das ist das Ergebnis einer vor kurzem veröffentlichten großen und gründlichen Studie aus den USA.

In all den appetitlichen Speisen verbergen sich Kohlenhydrate, Fette und Proteine. Klingt schnöde, aber das sind nun einmal die drei Hauptbestandteile unserer Ernährung. Die amerikanischen Forscher um Frank Sacks von der Harvard-Universität teilten in ihrer Untersuchung 800 Schwergewichtige jeweils einer von vier Diätformen zu: wenig Fett und durchschnittlich viel Protein, wenig Fett und viel Protein, viel Fett und durchschnittlich viel Protein und viel Fett und viel Protein. Die verschiedenen Ernährungsweisen erinnerten an die Ornish-Diät (fettarm), die Atkins-Diät (fettreich) und die Mittelmeerkost (wenig tierisches Eiweiß).

Jeder Teilnehmer sollte 750 Kalorien weniger essen, mindestens aber 1200 Kalorien am Tag. Nach einem halben Jahr hatten alle Versuchspersonen durchschnittlich gut sechs Kilo abgenommen, nach zwei Jahren jedoch wieder etwa zwei Kilo „draufgelegt“. Dabei spielte es keine Rolle, ob die Teilnehmer bei Kohlenhydraten, Fetten oder Proteinen knauserten.

Es gibt also keine „magische Diät“, sondern mehr als einen Weg, um Pfunde zu verlieren. Man kann sich nach seinem Geschmack richten. Hauptsache, man isst weniger und zudem herzgesund, also wenig gesättigte Fette und viel Ballaststoffe. Außerdem sollte man es mit dem Hungern nicht übertreiben, sondern am besten langfristig kürzer treten.

Zwar war keine Diät der anderen überlegen, doch zeigten sich in den Gruppen große Unterschiede. „Einige Teilnehmer verloren fast 25 Kilo, andere nahmen zwei Kilo zu“, berichtet der Studienleiter Sacks. „Wir wissen nicht genau, woran das liegt. Aber in Zukunft sollten wir uns weniger auf die Art der Diät konzentrieren als vielmehr darauf, welche Faktoren wirklich erfolgversprechend sind.“

Zumindest zeigte die Studie, dass Menschen, die regelmäßig eine Ernährungsberatung besuchten, leichter Pfunde verloren. Gemeinsam geht’s besser, Einzelkämpfer haben es schwerer. Das beweisen zwei kleine französische Gemeinden, die sich im Jahr 2000 vornahmen, Übergewicht bei Schulkindern zu verhüten. Vom Bürgermeister und Ladenbesitzer bis zu Lehrern, Apothekern und Gaststättenwirten ermutigten alle die Kinder, sich besser zu ernähren und mehr zu bewegen. Sportstätten wurden gebaut, Kochkurse angeboten und gefährdete Familien beraten. Nach fünf Jahren hatte sich die Zahl übergewichtiger Kinder im Vergleich zu den Nachbarorten halbiert. Kein schlechter Lohn für den Aufwand.

Unser Kolumnist leitet das Wissenschaftsressort des Tagesspiegel. Haben Sie eine Frage zu seiner guten Nachricht? Bitte an: Sonntag@Tagesspiegel.de. Hartmut Wewetzers gesammelte Kolumnen gibt es auch in Buchform. Erschienen sind sie im Ullstein-Verlag unter dem Titel "Der Brokkoli-Faktor und andere gute Nachrichten aus der Medizin". 185 Seiten, 7 Euro 95.

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