Kolumne: Dr. Wewetzer : Olivenöl, Wein und Nüsse

Unser Gesundheitsexperte fahndet nach guten Nachrichten in der Medizin Heute: Was gesund ist an Italiens Küche

Hartmut Wewetzer
Wewetzer
Hartmut Wewetzer ist Leiter des Wissenschaftsressorts.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Wer bei italienischem Essen nur an Pizza und Spaghetti denkt, kennt allenfalls die halbe Wahrheit. Italien gehört zu den Ländern, die für eine gesunde Ernährung stehen. Das Stichwort lautet „mediterrane Kost“ und bezeichnet eine Diät, wie sie rund ums Mittelmeer verbreitet ist. Sie besteht aus viel Obst und Gemüse, Nüssen, Hülsenfrüchten, Fisch, Getreideprodukten und wenig Fleisch. Pardon, das obligatorische Glas Rotwein natürlich nicht zu vergessen. Schon etwas schwieriger ist es, die gelassene Mentalität und das milde, warme Klima zu importieren, auch wenn all das eigentlich zum südlichen Lebensstil dazugehört und ebenfalls auf seine Art das Wohlergehen steigert.

Viele Studien haben ergeben, dass die mediterrane Ernährung der Gesundheit und einem langen Leben förderlich ist. Im April veröffentlichten Wissenschaftler eine große Übersicht über fast 200 Studien, aus der hervorging, dass die Mittelmeerküche das Herz schützt. Ganz im Gegensatz zur „westlichen Diät“, die sich durch viel Wurst und rotes Fleisch, Butter, Eier, verarbeitete Getreideerzeugnisse und Milchprodukte mit viel Fett auszeichnet, sozusagen die „Pommes-, Hamburger- und Eiscrem-Diät“. Die kann dem Herzen eher schaden. Und eine Langzeitstudie mit amerikanischen Krankenschwestern ergab im Februar, dass das Risiko für einen Herzinfarkt um fast ein Drittel und die eines Schlaganfalls um fast ein Siebtel sank, wenn sich die Schwestern nach Art des Mittelmeers ernährten.

Was genau an der mediterranen Kost gesund ist, dieser Frage sind nun Wissenschaftler der Universität von Athen und der Harvard-Universität nachgegangen. Sie befragten rund 23 000 griechische Studienteilnehmer nach ihrem Lebensstil und zogen nach achteinhalb Jahren im Fachblatt „British Medical Journal“ Bilanz. Zu dieser Zeit waren mehr als tausend Teilnehmer verstorben, und die Forscher brachten nun die Überlebenswahrscheinlichkeit mit dem Essen in Verbindung. Erwartungsgemäß senkte die Mittelmeerdiät die Sterblichkeit, und zwar um ein Siebtel.

Dann schauten sich die Wissenschaftler die kulinarischen Gewohnheiten der Teilnehmer genauer an und ermittelten so den Anteil einzelner Nahrungsbestandteile an diesem Überlebensvorteil. Den günstigsten Einzeleffekt hatte moderater Alkoholkonsum (Rotwein!), gefolgt von einem niedrigen Fleischverzehr, viel Gemüse, Obst und Nüssen, viel ungesättigten Fettsäuren (Olivenöl) und schließlich Hülsenfrüchten. Getreide- und Milchprodukte sowie Meeresfrüchte spielten so gut wie keine Rolle.

Jetzt könnte ein Schlaumeier auf die Idee kommen, sich aus dem ganzen Korb das für ihn Angenehmste herauszusuchen. Nach dem Motto: Ich nehme den Rotwein, bleibe aber ansonsten meinem Schweinebraten treu. Diese Herangehensweise ist aber umstritten. Denn eigentlich kommt es nicht so sehr auf einzelne Nahrungsmittel an, sondern immer noch auf das Ganze. Essen ist eine Art Gesamtkunstwerk. Auch da hat das Mittelmeer eine Menge zu bieten.

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