Kolumne: Dr. Wewetzer : Wächter des Gewichts

Um ganz ehrlich zu sein: Ich kann mit diesem überheißen Sommer herzlich wenig anfangen.

Wewetzer
Hartmut Wewetzer ist Leiter des Wissenschaftsressorts.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Um ganz ehrlich zu sein: Ich kann mit diesem überheißen Sommer herzlich wenig anfangen. Immerhin, einen winzigen Vorteil hat die Hitze. Der Appetit aufs Essen lässt nach und morgens tritt man zumindest leichteren Herzens auf die Waage. Doch was, wenn es wieder abkühlt? Einen möglichen Weg zur Schlankheit weisen die „Weight Watchers“. Nein, ich bin nicht gesponsert. Aber nach einer Untersuchung, die in der letzten Woche auf einem Kongress zum Thema Übergewicht in Stockholm vorgestellt wurde, hilft die Weight-Watchers-Methode recht gut.

Die Firma bietet gegen eine Monatsgebühr von 39 Euro Diätwilligen, meist Frauen, anstelle von Kalorientabellen ein Punktesystem, mit dem 34 000 Lebensmittel und mehr als 1000 Gerichte bewertet werden. Von nun an ist Punktezählen beim Futtern angesagt. Ergänzt wird das mit wöchentlichen Treffen, bei denen man sich mit Leidensgenossen und -genossinnen austauschen kann, gewogen und von Weight-Watchers-Trainern beraten wird. Die sind oft selbst Anwender.

An der Stockholm-Studie nahmen fast 800 Übergewichtige in Großbritannien, Deutschland und Australien teil, neun von zehn waren Frauen. Die eine Hälfte bekam über ein Jahr eine Diät-Beratung durch den Hausarzt, die andere meldete sich bei den Weight Watchers an. Ergebnis: Nach zwölf Monaten betrug die Gewichtsabnahme in der Hausarzt-Gruppe knapp vier, bei den Weight Watchers (WW) dagegen fast sieben Kilo. Vorzeitig ausgestiegen waren bei den Hausärzten 50, bei den Gewichtswächtern nur 42 Prozent.

„Menschen, die bei den WW mitmachten, verloren fast doppelt so viel Pfunde“, sagt Studienleiterin Susan Jebb vom britischen Medizinischen Forschungsrat. Sie empfiehlt dem Staatlichen Gesundheitswesen Großbritanniens, Übergewichtigen Kurse bei den WW zu bezahlen.

Ernährungsvielfalt trotz Diät, Beratung und Unterstützung durch Gleichgesinnte, das sind sicher die Pluspunkte der WW-Methode. Aber sie ist nicht für jeden geeignet, gibt Christiana Gerbracht vom Deutschen Institut für Ernährungsforschung in Potsdam zu bedenken. „Vor allem Männer scheuen oft davor zurück, sich mit anderen über ihr Gewicht auszutauschen“, sagt sie. „Auch Menschen mit großen psychologischen Essproblemen haben in solchen Gruppen Schwierigkeiten, da bleibt vieles eher an der Oberfläche.“ Schließlich sei die Frage, ob der Diäterfolg von Dauer ist.

Ganz gewiss keine Alternative sind allerdings frei verkäufliche „Fettblocker“, „Fettkiller“ oder „Stoffwechselanreger“, wie eine Studie von Thomas Ellrott von der Uni Göttingen ergab, die ebenfalls in Stockholm präsentiert wurde. Die angeblichen Schlankmacher enthielten L-Carnitin, Polyglucosamin, Knoblauchpulver, Guarana, Bohnen- oder Konjacextrakt, Algen, Faserstoffe oder bestimmte Pflanzenauszüge. Einen nennenswerten Unterschied zu wirkstofffreien Scheinmedikamenten konnte Ellrott in einem achtwöchigen Testlauf mit knapp 200 Freiwilligen nicht feststellen. Diese Ausgabe erleichtert lediglich Ihren Geldbeutel.

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