Kolumne: Dr. Wewetzer : Zink gegen Schnupfen

Unser Gesundheitsexperte fahndet nach guten Nachrichten in der Medizin. Heute: Ein Metall soll Erkältungen lindern.

Wewetzer
Hartmut Wewetzer.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Naht ein Schnupfen, schlägt die Stunde der Hausmittel. Von Hühnersuppe bis Echinacea, von Dampfinhalation bis Kräutertee ist alles dabei. Die Erkältung dauert für gewöhnlich sieben Tage. Bekämpft man sie dagegen, bleibt sie eine Woche. Auch die moderne Medizin hat bislang wenig Wirksames im Angebot. Aber nun gibt es Hoffnung. Wissenschaftler der ebenso angesehenen wie unbestechlichen Cochrane-Vereinigung haben ein Gutachten veröffentlicht, nach dem Zink die Erkältung um etwa einen Tag verkürzen und Symptome deutlich lindern kann. Vorausgesetzt, man nimmt das Metall rechtzeitig, also innerhalb der ersten 24 Stunden nach Einsetzen der Krankheitszeichen.

Bevor Sie nun voller Verzweiflung in die nächste Zinkwanne beißen – gemeint ist nicht das metallische Zink, sondern Zinksalze, erhältlich in Sirup, Lutschpastillen oder Tabletten. Das Cochrane-Netzwerk hat es sich zur Aufgabe gemacht, medizinische Therapien streng auf Wissenschaftlichkeit zu prüfen. In der Sache Zink vs. Schnupfen wertete der Cochrane-Gutachter Meenu Singh aus dem indischen Chandigarh 15 Studien mit insgesamt 1360 Teilnehmern aus und kam zu dem positiven Schluss – auch wenn längst nicht alle Untersuchungen für sich genommen günstig ausfielen. Um die Frage, wie nützlich Zink bei Erkältungen ist, wird seit Jahren gestritten. 2007 hatten amerikanische Wissenschaftler im Fachblatt „Clinical Infectious Diseases“ die Meinung vertreten, dass die heilsame Wirkung bei Schnupfen nicht belegt sei. Die Forscher um Thomas Caruso von der Universität Stanford konnten sich zudem nicht erklären, wie Zink die Schnupfenviren von den Schleimhäuten fernhalten könnte.

Auch das Cochrane-Gutachten ist keine endgültige Antwort. So gibt Singh zu, dass trotz jahrzehntelanger Forschung unklar ist, welche Zink-Dosis, Zusammensetzung und Behandlungsdauer angezeigt sind. Das letzte Cochrane-Gutachten aus dem Jahr 2006 war noch negativ ausgefallen. Der Unterschied zu diesem besteht nun nicht zuletzt aus vier Studien, die vor Kurzem in der Türkei und dem Iran gemacht wurden und in denen sich Zink bei Kindern als hilfreich erwies. Aber es könnte durchaus sein, dass in diesen Ländern eine Unterversorgung an Zink besteht, das als wichtiges Spurenelement in viele Eiweiße eingebaut wird. Wird dem Mangel abgeholfen, sind die Effekte womöglich deutlich stärker als in unseren Breiten.

Berücksichtigt werden müssen auch die Nebenwirkungen. Zink hat keinen besonders tollen Geschmack, kann den Mund trocken oder wund machen und Übelkeit, Durchfall oder Verstopfung hervorrufen. Nicht bewährt haben sich Versuche, Zink direkt in die Nase zu bugsieren, etwa als Nasensalbe. Das kann zu dauerhaften Störungen des Geruchssinns führen. Immerhin, auch etliche Lebensmittel enthalten reichlich Zink, darunter Rindfleisch und Leber, Butterkäse (Gouda, Tilsiter) und Emmentaler, Erdnüsse und Haferflocken. So gesehen ist Zink schon fast ein Hausmittel. Noch dazu ein schmackhaftes.

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