Kolumne : Kein Dschihad im Sauerland

Regelmäßig durchleuchtet Helmut Schümann in seiner Kolumne aktuelle Themen. Heute: Der Terror und das Sauerland.

Helmut Schümann

Niemand wird bestreiten wollen, dass das Sauerland ein recht sprödes Fleckchen Erde ist. Da können auch so wunderhübsche Flussnamen wie Henne, Hoppecke, Hundem nicht drüber hinwegtäuschen. Und dass im Sauerland die Potthucke verspeist wird, ein mit Mettwurst gefüllter Kartoffelauflauf, gereicht dem Landstrich ebenso wenig zur Ehre wie der Umstand, dass das Land Lübke, Merz und Münte hervorgebracht hat. Heinrich, Friedrich, Franz, die neben anderen politischen Tätigkeiten der Republik das „woll“ nahe gebracht haben und die Begriffe „klare Kante“, „Bierdeckel“ und „Leitkultur“.

Will sagen: Das Sauerland ist ohnehin schon stark vom Schicksal gezeichnet, da muss es nicht auch noch durch einen Prozess und eine Gruppe verunglimpft werden. Wird es aber, und auf ewige Zeiten wird der Prozess, der gerade vier islamistischen Terroristen gemacht wird, wiewohl er im rheinländischen Düsseldorf verortet ist, als „Sauerland-Prozess“ in die Annalen eingehen. Und schlimmer noch, auch die vier Angeklagten, die Mord und Totschlag über das Land bringen wollten, werden nie mehr anders als unter dem irreführenden Rubrum „Sauerlandgruppe“ geführt werden.

In Wahrheit: Fritz G., geboren in München, aufgewachsen in Ulm, ein Schwabe mithin; Daniel S., geboren und aufgewachsen in Neunkirchen, ein Saarländer also; Adem Y., Türke, in Langen nahe Frankfurt am Main geboren und aufgewachsen, ein türkischer Hesse; und Atilla S., auch der Türke und geborener Ulmer, noch ein Schwabe. Die vier haben mit dem Sauerland nichts gemein, außer dass sie ein paar Mal in Medenbach-Oberschledorn waren und dortselbst verhaftet wurden. Sie waren auch mal im schönen Freudenstadt mit ihren furchtbaren Plänen. Streng genommen handelt es sich also, wegen des Abstechers nach Freudenstadt um die Schwarzwald-Bande, ganz korrekt aber um die Schwaben-Hessen-Saar-Connection. Das ist natürlich etwas sperrig, diffamiert aber keinen ganzen Landstrich. Die RAF, die einstige Rote Armee Fraktion, wird schließlich auch nicht in Spessartgruppe umbenannt, nur weil sie im Hessischen auch mal ein paar Kalaschnikows gelagert hatte. Das Sauerland aber ist jetzt auch Keimzelle des Dschihad. Das hat es nicht verdient, nicht mal das Sauerland.

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