KOLUMNE : Mein Garten Eden: Die Fuchsspur im Schnee

Die Natur ist leider nicht zuverlässig. Wann kommt er endlich, der Frühling?

Ursula Friedrich

Die Natur ist leider nicht zuverlässig. Während ich die letzte Kolumne noch über den milden Februar und seine sanften Lüfte schreiben konnte, ist über Nacht wieder alles anders. Es schneit und schneit. Wann kommt er jetzt endlich, der Frühling?

Früher reichte ein Blick in den Vorratskeller. Wenn die Äpfel runzlig wurden, war das ein untrügliches Zeichen: Der Winter wird alt. Aber wer legt sich heute noch Vorratsäpfel an? Die gewachsten aus dem Supermarkt sehen schöner aus. Auch Kartoffeln werden kaum noch eingekellert. Bei denen konnte man eine Art Keimungsbrunst feststellen. Lange weißliche Triebe wuchsen aus ihnen heraus und mussten von mir und meinem Bruder abgezupft werden, damit man die Knollen noch eine Zeit lang essen konnte, denn es waren noch nicht die Zeiten, da man frische Kartoffeln auf dem Markt bekam. Von Gurken träumten wir. Aber es gab sie erst um Ostern aus den Gewächshäusern von Wiesmoor, und da war er längst da, dieser Frühling, der ersehnte.

Schnee liegt in meinem Garten, dick und weich, und neulich, in den Vollmondnächten, konnte ich bis spät hinaussehen in die helle, funkelnde Nacht. Eine Fuchsspur zog sich quer durchs Weiß, schön und regelmäßig. Er hat sicher Hunger, dachte ich und hätte ihm am liebsten ein Stück Schinkenschwarte hinausgelegt, aber das macht man nicht. Man füttert keine wilden Füchse. Einmal sah ich ihn sogar. Ich hätte seine Anwesenheit bei der Gemeinde melden müssen, damit ein Forstbeamter kommt und ein paar Fuchsbandwurmköder auslegt. Aber ich habe nichts gemeldet. Meine Nachbarn haben kleine Katzen. Nicht, dass die sich an die Köder heranwagen.

Oder die Vögel. Eigentlich war ich ja sauer auf sie. Denn im milden Teil des Winters haben sie sich sehr herablassend auf mein Vogelhäuschen gesetzt. Die Meisen haben ihre Knödel glatt baumeln lassen. Vielleicht mögen Meisen überhaupt keine fettigen Knödel, besonders wenn sie vom Wind geschaukelt werden. Vielleicht sitzen sie nur auf Werbefotos so gar zierlich darauf.

Aber jetzt, wo alle Beeren ringsum verschwunden sind, nehmen sie doch manchmal das eine oder andere Häppchen. Auf ein Stück Biskuit, unter meinem Vordach ausgestreut, reagieren sie wie Kampfgeier. Überhaupt überraschen einen Vögel immer wieder. Auch die Forschung. Dank neuer mini-mini-elektronischer Messgeräte, angeheftet an die ja keine 100 Gramm wiegenden Tierchen, fand man heraus, dass Stare und Drosseln 14 Stunden ohne Pause fliegen und dabei weit über 200 Kilometer zurücklegen. Ein Singvogel leistet das – ein Wesen aus fast nur Luft und Federn. Und ihr dicken, großen Menschen müsst euch für eure Goldmedaillen dopen. Das brauchen die Vögel nicht.

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