Kolumne: Meine Frau, ihr GARTEN ... und ich : Die Angst vor dem Frost

Was den Garten angeht, haben wir eine ganz klare Aufgabenteilung.

Andreas Austilat

Was den Garten angeht, haben wir eine ganz klare Aufgabenteilung. Manch einer mag sie ein wenig konventionell finden, muss ich mit leben, ist halt so. Also: meine Frau fühlt sich mehr für das dekorative Element zuständig. Mich interessieren hingegen vor allem praktische Erwägungen. Manchmal kommen wir uns deshalb ins Gehege.

Jetzt zum Beispiel. Ganz plötzlich kann es mörderisch kalt werden. Über Nacht gewissermaßen. Und eine meiner ganz zentralen Ängste ist, dass dann das Wasser einfriert, draußen, an unserem Gartenwasserhahn. Anschließend platzt wahrscheinlich die Leitung, die unter der Terrasse durchführt, und das wäre alles ganz furchtbar.

Meine Sorge ist keineswegs aus der Luft gegriffen, das ist nämlich schon mal passiert. Wir haben es nicht gleich bemerkt. Der Verdacht kam mir erst, als ich registrierte, dass die Erde rund um die Terrasse praktisch immer feucht war. Als Nächstes fiel mir auf, dass der Wasserzähler nie stillstand. Da war es schon fast zu spät, war die Terrasse so weit unterspült, dass sie abzusacken drohte. Das hat mir einen ziemlichen Schrecken eingejagt. Man kennt doch die Bilder, von diesen alles verschlingenden Schlammlawinen.

Nun, so weit ist es zum Glück nicht gekommen. Eine ziemliche Sauerei war es trotzdem. Die komplette Leitung vom Haus weg musste erneuert, dazu die ganze Terrasse aufgegraben werden. Möchte ich nicht noch mal erleben.

Deshalb plagt mich immer ab Ende Oktober diese Unruhe. „Schatz,“ frage ich dann, „wollen wir nicht das Wasser abstellen.“ „Noch zu früh“, antwortet sie in aller Regel, „ich muss noch mal gießen“. Meine Frau treibt nämlich eine andere Sorge: Dass ihre Pflanzen zu trocken in den Winter gehen und jämmerlich verdursten, wenn der Frost eingesetzt hat.

Dieses Jahr kommt noch erschwerend hinzu, dass ich den Hahn erst einmal finden muss, um ihn das letzte Mal aufzudrehen. Reicht ja nicht, einfach nur im Keller das Wasser abzustellen, die Leitung muss leerlaufen. Früher befand sich rund um den Hahn ein simples Staudenbeet. Jetzt aber sind Gräser à la mode, die man zwischen die Stauden pflanzt. Weil sie sich so schön im Wind wiegen, wie es in den Gartenzeitschriften heißt, und weil sie weit im Herbst noch tiefrot leuchten können, wie die Rutenhirse „Shenandoah“ oder blau-grün wie die Variante „Heavy Metal“ – beides topneue Züchtungen.

Bei uns leuchtet es auch, meine Frau ist ziemlich stolz auf das, was da am Rand der Terrasse entstanden ist. Gräser können aber mächtig groß werden und dabei dschungeldicht. Den Wasserhahn sehe ich jedenfalls schon lange nicht mehr. Ich weiß nur, er ist da draußen. Und er braucht mich. Andreas Austilat

„Der Garten“ erscheint im Wechsel mit der Kolumne „Unter Heimwerkern“

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