Kolumne: Meine Frau, ihr GARTEN… und ich : Langweilige Erlen, tapfere Rosen

Es gibt jetzt nicht wirklich viel zu tun da draußen.

Klar, Laub harken, kann man immer, aber die meisten Bäume sind inzwischen kahl. Der Herbststurm vor einer Woche hat alles runtergerupft. Nur Nachbars Erle, die ist noch erstaunlich grün. Erlen färben ihre Blätter nicht im Herbst. Die haben irgendwie einen anderen Hormonhaushalt, und wenn sie glauben, jetzt ist es so weit, dann werfen sie die Blätter ohne Rot- oder Gelbfärbung einfach ab – jedes Jahr auf den letzten Drücker. Ja, wer schon mal in Amerika war, in den Neuenglandstaaten zum Beispiel, dort wächst der Zuckerahorn, der hat ein Herbstlaub. Der Zuckerahorn veranstaltet mit seinen Blättern ein wahrhaft spektakuläres Feuerwerk. Mein Gott, was ist die Erle für ein langweiliger Baum.

In unserem Garten sind nur noch wenige bunte Tupfer. Die Gartenschuhe zum Beispiel, die der Hund unter den Büschen versteckt hat, die kann man jetzt gut sehen, ich sollte sie langsam reinholen. Meine Frau hört es nicht so gern, aber unser Hund ist offensichtlich ein unverbesserlicher Schuhfetischist. Wenn man nur mal kurz die Terrassentür aufmacht, packt er sich einfach den nächstliegenden Schuh, rast damit wie besessen nach draußen und lässt ihn unter irgendeinem Busch fallen.

Bloß gut, dass er nicht alle vergräbt. Trotzdem hat er mir auf diese Weise schon mal einen Lederschuh versaut, der unbemerkt eine verregnete Nacht im Garten lag. Es gibt zwar so Hundeknabberkram in Schuhform zu kaufen, den rührt er aber nicht an. Es muss immer ein echter Schuh sein. Verrücktes Viech. Übrigens hat meine Frau dem Hund ein Regencape gekauft, damit er hinterher nicht alles nass macht, wenn er bei dem Wetter mal raus muss. Ich habe aber erklärt, dass ich mich weigere mit dem Hund auch nur einen Schritt vor die Tür zu setzen, sollte er dieses peinliche Teil tragen. Und meine Tochter hat mir zugestimmt. Das kommt nicht mehr so oft vor.

Eine einzige Rose haben wir noch, die steht senkrecht und blüht rosa vor sich hin. Ich bin nicht so der Rosenkavalier, aber das muss ich wirklich sagen: Respekt. Bei Rosen kriegt man was fürs Geld und zwar bis weit in den November. Leider weiß ich nicht, wie sie heißt; die Rose stand schon hier, als wir Haus und Garten übernommen haben.

Ich könnte natürlich den beiden Birnbäumen so einen weißen Anstrich verpassen, wie ich ihn neulich in einer Kleingartenkolonie gesehen habe. Da wusste ich noch nicht, warum die das machen, inzwischen habe ich einen Experten gefragt, Thorsten Laute vom Botanischen Garten: Es handelt sich um Baumkalk, das ist ein uralter Gärtnertrick. Man löst ihn in Wasser und bestreicht damit den Stamm – ungefähr bis dahin, wo die ersten Äste abzweigen. Der Anstrich soll die Rinde gegen den Winterfrost schützen. Vielleicht kann man ja dem Kalk einen heiteren Farbton geben.

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