Kolumne: Meine Frau, ihr Garten… und ich : Vom Kreislauf des Lebens

Im äußersten Winkel, noch hinter der Hecke, da haben wir so eine grüne Kiste mit Deckel drauf.

Im äußersten Winkel, noch hinter der Hecke, da haben wir so eine grüne Kiste mit Deckel drauf. Unseren Thermokomposter. Den bekamen wir mal von einem Freund der Familie geschenkt, als wir den Garten noch ganz neu hatten. „Junge“, hat mir der Mann, der selbst schon ein bisschen älter und lebenslanger Hobbygärtner ist, dazu erklärt, „das ist eine Zauberkiste, die macht aus Abfall Gold.“ Denn was da unten rauskommt, sei reiner Humus, der helfe selbst schlappen Pflanzen wieder auf.

Als ich erst mal das Prinzip verstanden hatte, fand ich die Kiste auch faszinierend. Man wirft oben rein, was man nicht mehr braucht, und unten kommt wertvoller Dünger raus, oder wenigstens so etwas Ähnliches. Donnerwetter, dachte ich und war ganz eigenartig berührt: Der Thermokomposter, das ist doch irgendwie der Kreislauf des Lebens, verdichtet auf einen Kubikmeter. Alles vergeht, aber es ist deshalb noch lange nicht vorbei. Denn aus dem Alten entsteht ja neues Leben.

So ist das, wenn man einen Garten hat, man fühlt sich der Natur viel näher. Wie viel näher, kann man selbst dosieren. Denn das ist der Vorteil eines Thermokomposters gegenüber einem Komposthaufen: Es handelt sich um ein geschlossenes System. Niemand ist gezwungen, seiner Biomasse beim Verrotten zuzusehen.

Und so haben wir also fast alles in unsere Zauberkiste reingeschmissen: Küchenabfälle (Vorsicht, kein Fleisch oder gekochte Essensreste), Rasen (Achtung, nicht zu viel), Heckenschnitt, Eierschalen und Kaffeesatz. Es würde der Tag kommen, dessen war ich gewiss, da mache ich unten die Luke auf und raus kommt tiefschwarzer Mutterboden. Und dann habe ich den Thermokomposter einfach vergessen, weil, ja, er steht ein wenig abseits.

Schließlich kam der Tag, an dem meine Frau sagte, „Schatz, hast du mal in deinen Komposter geguckt.“ Der leidenschaftliche Hobbygärtner, dem wir die Kiste verdanken, kam nämlich ursprünglich aus meinem Zweig der Familie. „Hmm“, habe ich erst mal versucht, Zeit zu gewinnen.

Ich muss zugeben, da ist was schiefgelaufen. In unserem Komposter ist nichts verrottet, unser Biomüll ist im Gegenteil mumifiziert. Man konnte jedes einzelne Blatt und jede Eierschale noch nach Jahren gut unterscheiden. Bevor nun mein Weltbild ins Wanken gerät, von wegen Kreislauf des Lebens, habe ich den Inhalt der Berliner Stadtreinigung überantwortet. Übrigens kompostiert die BSR auch, die verkaufen den Kompost sogar, 2 Euro 50 für den 45-Liter-Sack.

Aber ich bin nicht bereit, einfach aufzugeben. Ich habe mir erzählen lassen, man muss mehr auf die Mischung achten, ab und an mal umrühren und eventuell ein paar Kompostwürmer zugeben. Im Internet habe ich 500 Gramm für 20 Euro gesehen. Merkwürdig finde ich das allerdings schon: Ich meine, in der Natur verrotten die Dinge doch auch, ohne dass da einer Würmer bestellt.Andreas Austilat

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