Kolumne: Moritz Rinke sammelt Erinnerungen an die Gegenwart : Wo ist das Ozonloch geblieben?

Beim Einschlafen und Grübeln über die Themen Ehec, Finanzkrise, Atomdebatte, Libyen und die schwarz-gelbe Koalition ist mir etwas eingefallen, was ich total vergessen hatte: DAS OZONLOCH!

Beim Einschlafen und Grübeln über die Themen Ehec, Finanzkrise, Atomdebatte, Libyen und die schwarz-gelbe Koalition ist mir etwas eingefallen, was ich total vergessen hatte: DAS OZONLOCH! Wo ist eigentlich das OZONLOCH geblieben?! Vorm Einschlafen hatte ich mir „2001: Odyssee im Weltraum“ von Kubrick angeschaut, ein visionärer Film! Er wurde in den Sechzigern gedreht, spielt mehr oder weniger hinter dem Loch im Weltall, weil man schon nach Alternativen für die Erde sucht. Auch werden die ganze Zeit bunte Pillen gegessen und nach so etwas wie Gurken oder Biosprossen kann man bei Kubrick lange suchen, wahrscheinlich hatte er schon Ehec, BSE, Dioxin, Glykol & Gammel etc. mitgedacht, und nun gibt es eben nur noch Pillen oder Frankenstein-Gen-Fisch. Aber zurück zum vergessenen OZONLOCH.

Ich schlief ein und träumte, ich säße in meiner Heimat an der Weser im Jahre 2041: Gewaltige, dahinschmelzenden Eisberge flossen an mir vorbei. Einmal sah ich sogar einen Eisbären auf einem der Berge, er sah mich genauso irritiert an wie ich ihn. „Sag mal, ist das die POLSCHMELZE, von der immer gesprochen wurde??“ Der Eisbär antwortete nicht.

Jetzt tauchte plötzlich der Urenkel von Jacques-Yves Cousteau, dem Tiefseeforscher, aus der Weser auf, der gerade mit einem Fernsehteam Haie filmte.

„Bonjour“, sagte ich. „Passen Sie bitte auf! Haie in der Weser kommt mir spanisch vor, vielleicht sind die alle durchgedreht?“ – „Merci“, antwortete Cousteau und tauchte ab.

Ich lief befremdet durch meine alte Hansestadt. Wie lebhaft Bremen geworden war! Früher gab es hier nur stumme, grußlose Bremer, doch nun war alles anders: Migrationsdruck und die Unbewohnbarkeit weiter Teile der Erde hatten Bremen zu einem neuen Kalifornien gemacht, natürlich auch wegen der KLIMAVERÄNDERUNG. In der Straßenbahn war ein einziges Geschrei. Die Menschen gestikulierten wie früher in einem sizilianischen Bus. Nun mal nicht nostalgisch werden, dachte ich im Traum, du hast immer für eine multikulturelle Öffnung plädiert, auch in Bremen. In der Bahn saßen vorwiegend Afrikaner, die hier das Klima liebten, und Amerikaner, die ihr Land aus wirtschaftlichen Gründen verlassen mussten. Dazu kamen die ganzen Holländer, die Bremen zu ihrer neuen Heimat erklärt hatten, nachdem die Niederlande 2022 endgültig untergegangen waren und man noch jahrlang Tulpen auf dem Meer über Amsterdam schwimmen sah.

Irgendwann stieg eine junge Frau zu. Wie schön sie war! In meiner Jugend hatte ich nie etwas mit einer Bremerin gehabt, es klappte einfach nie. Ich war von Natur aus schüchtern, die Bremerinnen waren stumm, wie sollte da ein anregendes Gespräch zustande kommen? Als die Frau mir plötzlich gegenüber saß, dachte ich jetzt oder nie, ich war immerhin schon 73! „Wie heißt du?“ – „Yetunde!“ – „Bremerin?“ – „Ja.“

Dann schickte mir mein iPhone 44444 alle Yetundes aus Bremen per Infrarotsendung auf meine WAP-Brille, und drei Minuten später wusste ich alles über jene Yetunde.

Leider stieg sie aus. Tja, das ist aber jetzt wie früher!, dachte ich. Nun weißt du zwar alles über sie, aber gesprochen hast du schon wieder nicht mit der Frau! Ich hatte noch überlegt, ob ich sie per Infrarot über Facebook anstupse, aber dann ermahnte ich mich: Du bist 73, hör’ endlich auf mit der Anstupserei! Außerdem hast du eine 12-jährige, geklonte Tochter.

Ich träumte, dass ich im Traum aufwachte und mir ein Frühstücksei kochte von BIOHÜHNERN, die ich in heimlicher, kulturkonservativer Verzweiflung züchtete, und die meine Tochter ansah wie Dinosaurier.

An dieser Stelle wechseln sich ab: Elena Senft, Moritz Rinke, Christine Lemke-Matwey und Jens Mühling.

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