Kolumne : Sechs Alarmzeichen

Unser Gesundheitsexperte Hartmut Wewetzer fahndet nach guten Nachrichten in der Medizin. Heute: Wie man Notfälle rechtzeitig erkennen kann.

Hartmut Wewetzer
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Hartmut Wewetzer ist Leiter des Wissenschaftsressorts.Foto: Kai-Uwe Heinrich

Die meisten Beschwerden, die uns im Alltag zu schaffen machen, sind lästig, aber harmlos. Schnupfen, ein Ziepen im Rücken, Kopfschmerzen. Kopfschmerzen? Meist sind sie ein Zeichen für Überanstrengung, Schlafmangel, Stress und ähnliches. Aber es gibt einen vernichtenden Kopfschmerz, der alles in den Schatten stellt. Er kann auf eine Hirnblutung hindeuten, die sofortiges Eingreifen erfordert (auch Felix Mendelsohn-Bartholdy und George Gershwin starben an einer Hirnblutung).

Der „Vernichtungskopfschmerz“ ist ein Fall für den Notruf, die 112. Hier sechs weitere Alarmzeichen des Körpers, die Sie sehr ernst nehmen sollten:

– Lähmungen an Armen und Beinen, Taubheitsgefühl, Sehstörungen (Doppelbilder), verwaschene Sprache, Verwirrtheit, plötzlicher Schwindel, Schwäche (vor allem auf einer Körperseite) sind typische Zeichen für einen Schlaganfall. Im Gehirn ist eine Schlagader durch einen Blutpfropf verstopft oder blutet in das Gehirngewebe. Jetzt ist höchste Eile geboten. „Zeit ist Hirn“ lautet die Maxime. Je schneller der Patient behandelt werden kann, umso besser seine Chancen.

– Druck, Engegefühl und Schmerzen im Brustkorb, manchmal mit kaltem Schweiß, Übelkeit, Erbrechen und Luftnot verbunden, sind typische Zeichen für eine Herzattacke. Häufig strahlen die Schmerzen in Kiefer, linken Arm und linke Schulter aus. Keine Zeit verlieren! Allerdings: Jeder Mensch hat mal Schmerzen im Kiefer und deshalb noch längst keine Herzattacke. Entscheidend sind die weiteren Anzeichen. „Wenn man außerdem noch schwitzt und Symptome wie Atemnot hat, dann spricht das für etwas ernstes“, sagte der Internist Neil Shuman von der Emory-Universität in Atlanta dem Onlineportal „Web MD“.

– Schmerzen und Druckempfindlichkeit in der Wade (vor allem nach langem Sitzen) spricht für eine verstopfte Vene, eine Thrombose. Kommen Brustschmerz, Atemnot oder Bluthusten hinzu, ist das Indiz für eine gefährliche Lungenembolie – dann hat sich ein Blutpfropf aus der Beinvene gelöst und eine Schlagader in der Lunge verstopft.

– Blut im Urin, ohne dass es beim Wasserlassen schmerzt. In diesem Fall sollte man auf jeden Fall sofort zum Arzt gehen. Blutiger Urin ohne weitere Krankheitszeichen kann ein Indiz für Krebs von Nieren, Harnleiter, Blase oder Prostata sein. Schmerzen sprechen eher für Nierensteine oder eine Infektion.

– Eine mehrstündige Asthmaattacke mit Keuchen und Atemnot, die nicht besser oder sogar schlimmer wird, ist ein Notfall. Es besteht Erstickungsgefahr.

– Depression, verbunden mit Selbstmordgedanken. Verzweiflung, Erschöpfung, Teilnahmslosigkeit, Angst, Schlafstörungen und Appetitlosigkeit sind typische Warnzeichen. Manche Leute gehen nicht zum Arzt, weil sie glauben, dass man sie für verrückt hält – aber eine Depression beruht auf gestörten biochemischen Prozessen im Gehirn. Sie ist eine Krankheit wie jede andere und muss behandelt werden. Nicht zuletzt wegen der Selbstmordgefahr.

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