Kolumne: Unter Heimwerkern : Dieter Harder, 54, kauft sich eine zugeschnittene Spanplatte

Ein kreisrundes Loch in ein Fensterglas schneiden, das sieht in Gangsterfilmen immer ziemlich einfach aus.

Katja Reimann

Ein kreisrundes Loch in ein Fensterglas schneiden, das sieht in Gangsterfilmen immer ziemlich einfach aus. Da drücken Einbrecher einen großen Saugnapf auf die Scheibe, schneiden drum herum, und schon ist ein Loch im Glas. Aber, das können Sie mir glauben, so etwas funktioniert wirklich nur im Film. Eigentlich muss man für so ein Loch nämlich schön gleichmäßig von außen und von innen schneiden – und das kann ein Einbrecher natürlich schlecht tun, denn er sitzt ja draußen vor dem Haus. Ein Loch ordentlich in eine Fensterscheibe zu schneiden, ist also ziemlich kompliziert. Weil ich genau so ein Loch im Fenster aber brauche, habe ich mir nun etwas anderes ausgedacht: Ich werde die entsprechende Fensterscheibe durch diese Spanplatte ersetzen. Dann erspare ich mir die Glasschneiderei und säge das Loch einfach mit einer Stichsäge ins Holz.

Das Fenster, das ich durch die Platte ersetzen werde, ist ein Kellerfenster. Durch das Loch in der Platte muss ein etwa oberschenkeldickes Lüftungsrohr hindurchpassen. Dessen anderes Ende hängt an einem Wäschetrockner – der im Übrigen auch noch angeschlossen werden muss. Die Spanplatte, die ich gerade gekauft habe, müsste ganz genau 80 mal 80 Zentimeter groß und 18 Millimeter dick sein, denn so groß ist die Glasscheibe. Ich hatte mir die Maße auf einen Zettel notiert und habe das Holz im Baumarkt extra zuschneiden lassen. Der kritischste Moment wird sein, wenn ich im Keller stehe und die Fensterscheibe herausnehme, um zu sehen, ob die Spanplatte die exakt richtige Größe hat. Wenn ich dann merke, dass es nicht passt, muss ich mich kurz umdrehen und ziemlich wütend werden. Aber ich bin zuversichtlich: Grundsätzlich messe ich vorher lieber dreimal nach, bevor ich den Weg zum Baumarkt zweimal gehen muss.

Das Wichtigste bei meiner Konstruktion ist ohnehin, dass das ehemalige Fenster mit dieser Holzplatte wirklich dicht verschlossen wird. Die Dichtungsgummis von der Glasscheibe – das hoffe ich zumindest – müssten ja auch um eine gleich große Holzplatte herum passen. Der Kellerraum, in dem der neue Trockner steht, ist die Waschküche eines Therapiezentrums in Neukölln, in dem ich Hausmeister bin. Und weil es dort unten zu feucht und warm werden würde, wenn es kein Lüftungsrohr gäbe, das nach außen führt, muss ich eben das Fenster herausnehmen und etwas Selbstgemachtes installieren. Das geringste Problem bei der ganzen Sache dürfte das passende Werkzeug sein. Davon habe ich wirklich ausreichend zur Verfügung, denn als Hausmeister brauche ich es ständig. Etwas zu reparieren gibt es schließlich immer. Protokoll: Katja Reimann

„Unter Heimwerkern“ erscheint im Wechsel mit der Kolumne „Der Garten“.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben