Kolumne: Unter Heimwerkern : Eduardo Gabriel López De La Cruz

kauft sich eine Kette und vier Hakendübel

Protokoll: Katja Reimann
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Eduardo Gabriel López de la CruzFoto: Katja Reimann

Gerade habe ich mir vier große Hakendübel und eine schwarze Metallkette gekauft. Damit werde ich versuchen, zwei Bass-Lautsprecher aufzuhängen. Ich arbeite zurzeit in der Diskothek „MiSalsa“ am Richard-Wagner-Platz in Charlottenburg, und unsere zwei Bass-Boxen sind kaputt und werden repariert. Jetzt müssen wir improvisieren. Also habe ich meine privaten Boxen dorthingebracht. Bei mir standen sie nur noch im Keller herum – dass ich damit auch Musik im Wohnzimmer gehört habe, ist schon länger her. Es sind echte Bass-Boxen, 800 Watt stark. Die sind recht groß, etwa 50 Zentimeter breit und eineinhalb Meter hoch. Jede von ihnen wiegt ungefähr 26 Kilogramm – alleine werde ich sie also auf keinen Fall aufhängen können, da brauche ich Hilfe.

Die Kette werde ich in der Mitte mit einer Zange durchknipsen, je eine Hälfte müsste dann für eine Box reichen. Die Dübel und Schrauben mit den Haken muss ich irgendwie in den Kanten seitlich an den Boxen befestigen. Da sollte ich besonders vorsichtig sein, damit ich nicht aus Versehen die Elektronik anbohre.

Für die Disko brauchen wir diese Bass-Boxen unbedingt. Wir spielen vor allem Latino-Musik, Salsa, Merengue, Reggaeton. Wenn die Lautsprecher nicht gut sind, klingen auch die Trompeten und Saxofone nicht schön – und momentan fehlt eben ein anständiger Bass. Der ist beim Tanzen natürlich wichtig für den Rhythmus. Und bei uns sollen die Leute auch tanzen lernen, dafür gibt es Kurse. Der Raum, in dem getanzt wird, ist etwa 60 bis 70 Quadratmeter groß. Meine Boxen dürften dafür ausreichen.

Dübel ist übrigens ein lustiges deutsches Wort. Ich bin 27 und lebe erst seit vier Jahren in Berlin. Bevor ich herzog, konnte ich kein Deutsch. Meine Mutter kommt aus Panama, mein Vater aus Spanien, vorher habe ich in Malaga gewohnt, 150 Meter vom Strand entfernt. Natürlich benutze ich so ein Wort wie „Dübel“ im Alltag nicht. Aber im Baumarkt ist es mir zum Glück eingefallen, so dass ich danach fragen konnte. Mit diesen Boxen muss ich jetzt ein bisschen improvisieren, ich hoffe, es klappt. Gerade mache ich eine Ausbildung zum Fotografen, aber ich handwerke gerne. In Berlin bin ich bisher drei Mal umgezogen, und die neue Wohnung habe ich immer renoviert. Dazu gehört für mich vor allem Streichen. Einfach weiß ist mir zu langweilig. Unser Wohnzimmer ist derzeit türkis-weiß, die Möbel sind braun. Jedes Mal, wenn ich ausgezogen bin, musste ich dann alles wieder weiß streichen. Das ist zwar nervig, aber so sind nun mal die Regeln hier.

„Unter Heimwerkern“ erscheint im Wechsel mit der Kolumne „Der Garten“.

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