Kolumne: Unter HEIMWERKERN : Jan Britze kauft sich Regalbretter

In einer Heimwerkerkolumne bin ich eigentlich völlig falsch, ich bin nämlich Tischler, mache dieses ganze Zeug also beruflich. Privat interessiert mich das Heimwerkern überhaupt nicht.

In einer Heimwerkerkolumne bin ich eigentlich völlig falsch, ich bin nämlich Tischler, mache dieses ganze Zeug also beruflich. Privat interessiert mich das Heimwerkern überhaupt nicht. In meiner Wohnung in Neukölln sieht es unmöglich aus, und ich hab so gut wie nichts selbst gemacht. Das ist wahrscheinlich eine Berufskrankheit.

Jedenfalls hab ich heute ein paar Regalbretter und passende Leisten gekauft, um sie an die Wand zu dübeln. Daraus wird dann ein dreistöckiges Schuhregal für Freunde, die gerade umziehen. Sie haben mich damit beauftragt, weil sie wissen, dass ich das kann. Für andere baue ich gerne Dinge zusammen, aber nicht für mich selber.

Am liebsten fertige ich Möbelstücke an oder restauriere sie. Böden ziehe ich auch oft und gerne ab. Der Aufwand dazu wird von vielen Leuten unterschätzt und dann stehen sie da, völlig überfordert, oder die Dielen sind verhunzt. Besser, man beauftragt jemanden, der das wirklich kann. Wenn man es nämlich richtig macht, bewirkt man wahre Wunder.

Holz ist ein tolles Material und unglaublich vielseitig. Ob ein Schrank, ein Tisch oder nur eine Kiste, mit den richtigen Voraussetzungen und gezielten Handgriffen entstehen super Gebrauchsgegenstände. Deshalb habe ich mich auch für diesen Beruf entschieden, weil mit den Händen gearbeitet und das Ergebnis unmittelbar geschaffen wird. Den ganzen Tag in so einem Großraumbüro zu sitzen und auf den Bildschirm zu starren, das könnte ich nicht. Da fliegen die ganze Zeit Zahlen und Buchstaben hin und her, und du musst sie dann verarbeiten. Am Ende des Tages liegen Papierstapel auf dem Schreibtisch, und die Hälfte davon landet im Mülleimer. Das hat mit dem wahren Leben doch gar nichts zu tun. Völlig abstrakt. Die sollten mal einen Baum fällen.

Wenn nach getaner Arbeit aber ein fertiger Stuhl auf oder neben der Werkbank steht, weiß ich, was ich gemacht hab.

Außerdem arbeite ich gerne selbstständig, weil ich dadurch mehr Freiheiten und meine Ruhe habe. Ich muss nicht jeden Tag auf der Matte stehen und kann mich ganz dem Projekt widmen. Ach, und reden tue ich auch nicht so gerne. Da trifft es sich gut, dass ich Tischler bin, weil, der Stuhl quatscht mich wenigstens nicht voll.

Solange ich regelmäßig eine Zigarette rauchen kann, bin ich mit vielem zufrieden. Natürlich nur Zigaretten, die ich mit Tabak selbst gedreht habe, weil die konfektionierten Stängel aus der Packung nicht schmecken. Also, ich komme hier wie ein merkwürdiger Kauz rüber, dabei weiß ich nur, was ich im Leben nicht will. Wenigstens etwas!Jemima Gnacke

„Unter Heimwerkern“ erscheint im Wechsel mit der Garten-Kolumne

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