Kolumne: Unter HEIMWERKERN : Nanambeinin, 55

... kauft sich Wand- und Deckenfarbe.

Protokoll: Jemima Gnacke

Das Nana in meinem Namen deutet auf das ghanaische Adelsgeschlecht hin, aus dem ich stamme, aber hier in Deutschland nennen mich alle einfach Nab. Jedenfalls bin ich heute hier, um mir Wand- und Deckenfarbe und vielleicht noch etwas Zubehör zu kaufen. Seit 2000 bin ich gelernter Maler- und Tapezierer und ein guter Bekannter hat mich gebeten, ihm bei einigen Renovierungsarbeiten zu helfen. Solche Freundschaftsdienste sind Ehrensache, aber meine Arbeit wird auch geschätzt, weil ich sie sehr gründlich und sorgfältig erledige.

In diesem Fall, werde ich folgendermaßen vorgehen: Zuallererst ziehe ich meinen schicken Maleranzug an, dann wird der Raum mit Abdeckplane ausgelegt, damit es nicht kleckert. Daraufhin müssen die Ecken der Decke mit der Bürste „beschnitten“ werden, um den zu malenden Bereich einzugrenzen. Nun kann ich mit einer Stabrolle und dicker, gut deckender Farbe beginnen zu streichen und immer schön in Bahnen bleiben, damit es gleichmäßig wird!

Wenn die Decke fertig ist, kommen die Wände dran. Klingt unspektakulär, aber ich male und tapeziere wirklich sehr gerne, weil es manchmal fast meditative Züge annimmt. Davon abgesehen gefällt mir die gesellige Art der Handwerker, sich überall mit „Mahlzeit“ zu begrüßen. Das Zusammengehörigkeitsgefühl fehlt mir in Berlin manchmal. Bevor ich Anstreicher wurde, habe ich eine Ausbildung zum Heilpraktiker gemacht, meinem Traumberuf. Nur leider hatte ich nie die Gelegenheit, als solcher zu praktizieren. Die natürlichen Wirkstoffe der Kräuter und Pflanzen sind unsere Medizin. Gegen jede Beschwerde ist ein Kraut gewachsen, das wissen wir Afrikaner schon lange, doch die Europäer sind eher misstrauisch. Wenn ich sie mit meinen Ratschlägen nicht bekehren oder heilen kann, dann vielleicht mit meiner Musik. Musik, besonders Reggae, ist meine Leidenschaft und die Gitarre mein treuester Begleiter, wie schon bei meinem großen Vorbild Bob Marley. Ich spiele jeden Tag so viel es geht, weil ein Tag ohne Musik nutzlos ist. Es hilft mir zu entspannen und meine Sorgen zu vergessen, aber vor allem kann ich andere Menschen glücklich machen. Mein Traum wäre es, meine beiden Steckenpferde zu verschmelzen und mit einer Verbindung von Kräutern und Musik zu heilen. Das stelle ich mir grandios vor.

Ich bin ein Rastafarian, da ist das ganz normal. Wir sind Christen und lassen uns lange Dreadlocks wachsen. Marihuana ist unser Allheilmittel, wie Rotwein für die Italiener.

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