Zeitung Heute : Kolumne: Unter Heimwerkern

Darren Tanner, 32, kauft sich eine Rolle Klebeband

Katja Reimann
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Darren TannerFoto: Katja Reimann

Ob man wohl einen Koffer mit diesem Klebeband reparieren kann? Ich habe es zwar gerade gekauft, aber wirklich sicher, dass es dafür taugt, bin ich mir nicht. Was meinen Sie? Die Idee ist etwas komisch? Naja. Aber mein Koffer ist nun mal kaputtgegangen und ich muss ihn schnell reparieren, denn morgen brauche ich ihn schon wieder. Ich kann überhaupt von Glück sagen, dass nur der Koffer beschädigt ist und ich nicht auch noch den ganzen Inhalt verloren habe. Das Ganze passierte natürlich, während ich unterwegs war. Ich kam von einem Ausflug aus Brüssel zurück nach Berlin und beim Verladen des Gepäcks ins Flugzeug – oder vielleicht beim Ausladen, jedenfalls beim Transport – ging plötzlich der Reißverschluss kaputt. Zum Glück ist nichts rausgefallen, Kleidung oder so!

Ich komme aus den USA und besuche einen Freund in Berlin. Bei dem wohne ich gerade, in seiner Wohnung in Prenzlauer Berg. Den Koffer – es ist ein Trolley, nicht besonders groß – habe ich nun dort in der Nähe zur Reparatur gebracht. Aber irgendwie habe ich die Befürchtung, dass man diesen Reißverschluss nicht gut wird flicken können. Also habe ich sicherheitshalber dieses Klebeband gekauft. Das könnte ich zur Not auch um den ganzen Koffer herumwickeln, immer wieder, bis die Rolle leer ist. Denn wenn der Koffer während meiner nächsten Reise, zurück in die Vereinigten Staaten, aufginge, wäre das richtig schlecht. Von Tegel aus fliege ich erst rund neun Stunden nach New York, dann steige ich um und fliege weitere sechs Stunden bis nach Seattle, wo ich wohne.

Okay, wenn alles schief geht und mir die Sache zu unsicher ist, dann kaufe ich einfach noch schnell eine billige Sporttasche, schmeiße den Koffer weg und packe mein Zeug in die Tasche.

Zuhause in Seattle promoviere ich in Kognitionswissenschaften. Ich beschäftige mich mit den neurologischen Aspekten des Spracherwerbs. Und ich bin wirklich eher Akademiker und kein guter Heimwerker. Ikea-Möbel aufbauen, das bekomme ich gerade noch hin. Und einmal habe ich einen Türknauf repariert, auch das hat funktioniert. Aber alles andere...

Bei uns in den USA sind die Mietwohnungen aber auch schon beim Einzug mit allem Wichtigen ausgestattet, mit einem Kühlschrank zum Beispiel, und mit Lampen. Da braucht man sich nicht selbst drum zu kümmern. Wenn etwas kaputt geht, ruft man beim Vermieter an. Der kommt dann meist sofort und repariert alles. Und wenn nicht, dann zahlt man einfach seine Miete nicht, so einfach ist das. In Deutschland, das weiß ich von Freunden, läuft das nicht ganz so unkompliziert. Protokoll: Katja Reimann

„Unter Heimwerkern“ erscheint im Wechsel mit der Kolumne „Der Garten“.

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