Kolumne: Von TISCH zu TISCH : Ampelmann

Berlins erstes Ampelmann-Restaurant zeigt vor allem Grün.

Elisabeth Binder

Berlins erstes Ampelmann-Restaurant zeigt vor allem Grün. Juchzend stürzen sich einige Jugendliche über den Rasen auf die weißen, mit grünen und roten Ampelmännchen lustig bedruckten Liegestühle in der Parklandschaft gegenüber der Museumsinsel. Hier am Wasser ist es kühl und vergleichsweise still. Hohe Bäume filtern die Abendsonne. Nur ein paar Schritte abseits vom Hackeschen Markt kann man in dem weitläufigen Restaurant im oder am S-Bahnbogen echte Ferienatmosphäre genießen. Während sich die Jugendlichen genüsslich in die bereitliegenden roten und grünen Decken kuscheln, tragen die netten, angenehm professionellen Kellnerinnen auf der Terrasse offene Weine auf, sommerlich frischen Grünen Veltliner (0,5 l für 7 Euro) und kräftigen roten Montepulciano (0,2 l für 3,50 Euro). Falls es jemals wieder dazu kommen sollte, wäre dies ein guter Ort für rot-grüne Koalitionsverhandlungen. Man könnte einander näherkommen über grünem Gurkensüppchen und roter Strauchtomatencreme oder bei der Pizza Ampelmann mit grünem Spinat und rotem Tomatenragout (9,50 Euro).

Da dies aber eine streng unpolitische Restaurantkritik ist, zogen wir neutrales Terrain vor. Was eignet sich dafür besser als der Genuss einer unschuldig weißen Pizza? Mit der Pizza Bianca beginne ich an dieser Stelle auch deshalb, weil sie fast wie Dessert schmeckte. Wir bekamen ein ausladendes Rad aus hauchdünnem und krossem Teig, belegt mit einer süßen Komposition aus Gorgonzola, Honig, Birne und Rosmarin (9 Euro). Die heilte uns von dem ersten Eindruck, dass hier lediglich eine mediterran eingefärbte Allerweltsküche auf den Tisch kommt.

Der kleine gemischte Salat vorweg wurde in einer schönen weißen Schale serviert, die Blätter waren etwas sperrig und das Dressing spritzte durch die Gegend, aber der Rasen freut sich sicher auch, wenn er mal mit einem würzigen Dressing besprenkelt wird (4,50 Euro). Die vegetarische Vorspeisenplatte war bunt, gelbe und rote Paprika, grüne Zucchini, braune Champignons, orangefarbene Möhrenstücke, gelb marinierte Fenchelstücke und auberginenfarbene Auberginenscheiben. Das ist alles so zurückhaltend gewürzt, dass man merkt, hier soll es vielen recht gemacht werden (9,50 Euro).

Auch bei den Hauptgerichten wird die Fantasie nicht gerade überstrapaziert, das Programm pendelt doch sehr stromlinienförmig zwischen Wiener Schnitzel und Lachstranchen. Das gegrillte Entrecôte vom Weidelamm war immerhin einigermaßen zart, obwohl gut durchgebraten, dazu gab es Rucola ohne Dressing und köstliche Estragon-Creme Fraîche. Dass ausgerechnet hier die Sättigungsbeilage in Gestalt eines Berges von halben La-Ratte-Kartoffeln so reichlich ausfällt, ehrt die Tradition des Namens.

Ansonsten vermissten wir freilich ein paar Reminiszenzen an die Ursprünge des Ampelmännchens. Natürlich bietet sich das Lokal an, auswärtigen Besuchern vorgeführt zu werden, aber denen würde man statt Linguine in Hummercreme natürlich lieber ein intelligent modernisiertes Berliner Traditionsgericht anbieten. Wo läge es denn näher, Spinatbulette an Salat von roter Paprika zu servieren? Aber auch so ist es auf jeden Fall ein sehr entspannter Ort zum Trinken, Träumen oder eben auch Essen.

Der Nachtisch war wieder sehr ferienmäßig. Vier verschiedene Sorbets, Birne, Passionsfrucht, Blutorange und Cassis, waren auf Würfeln von Wasser- und Honigmelone angerichtet (6 Euro). Kinderfreundlich geht es hier auch zu, denn Pasta und Pizza speziell für Kinder gibt’s für 2,50 Euro, und auf dem Rasen liegt ein buntes Balancier-Gerät. Auch die hübschen Logos auf der Karte und im eigentlichen S-Bahnbogen dürften den Geschmack von Kindern treffen. Es gibt fröhliche Ampelmänner und -frauen mit Latz und Besteck, mit Suppenkelle, mit Tomate, mit Cocktails und anderen Utensilien. Und die Strandbar ist ein guter Ort, um auswärtigen Jugendlichen eine Einführung in die Geschichte der Stadt zu geben. Wie aus einer Kultfigur der DDR eine blühende kapitalistische Geschäftsidee wurde, bietet hier schließlich allgemein verständliche Anknüpfungspunkte.

Ampelmann-Restaurant, Stadtbahnbogen 159/160 im Monbijoupark, Mitte, Telefon 847, geöffnet täglich von 9 bis 24 Uhr.

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