Kolumne: Von Tisch zu Tisch : Lauri’s

Kalbskotellet in Salbei mit Auberginengemüse

Das Hotelrestaurant ist zu langweilig, das Steakhaus zu unoriginell, die Pizzeria zu banal. Wohin also mit dem schicken Wanderzirkus, der aus verschiedenen Anlässen, wie zuletzt der ITB, über Berlin  herniedergeht? Die Stadt ist auch für Geschäftsleute beliebter geworden. Sie gilt zwar immer noch als billig, aber die Tendenz nach oben wird schon erkennbar. Restaurants wie das neue Lauri’s wirken wie entworfen für City Hopper, die deftigere Preise fürs Essen gewohnt sind und nicht gleich zusammenzucken, wenn sie auch hier etwas kräftiger zur Kasse gebeten werden. Diese Entwicklung wird sich bestimmt verstärken.

Für Raucher aller Nationalitäten ist das Restaurant Lauri’s besonders an trüberen Tagen eine gute Anlaufstelle. Im Innern verbirgt sich die Raucher-Lounge in einem wie ein Aquarium anmutenden Glaskasten mit Mosaik, vielen dicken Kerzen und Cognac- und Whiskyflaschen. Zivilisierter kann man das viel geschmähte Laster kaum zelebrieren.

Die Tische sind weiß gedeckt, Teelichter flackern in dicken silbernen Kugeln, lange Spiegel weiten den schmalen Raum. Der sich ausbreitenden Lust am VIP-Status huldigt die Speisekarte mit einem All-Inclusive-Programm namens „Lauri’s Celebrity“, das vom „Economy Dinner“ für 48 Euro bis zum „First Class Dinner“ für 148 Euro reicht.

Das Küchenprogramm ist eher konventionell , es besteht im Wesentlichen aus internationalen Favoriten, wie Rindercarpaccio, Jakobsmuscheln, Pasta, Dorade, Maispoularde. Ein bisschen wirkt das so, wie die „Best of“-Arienprogramme, auf die Opern verkürzt werden, zum Beispiel, wenn es gilt, für Charity-Galas höhere Preise zu nehmen. Immerhin kann man hier den halben kanadischen Hummer solo bekommen (26,50 Euro), und es gibt die in so gehobenem Ambiente eher seltenen Schweinemedaillons in Champignon-Pfefferrahm (16,50 Euro).

Der Antipasti-Teller gehört zu den Klassikern des Hauses und reicht lässig für zwei. Darauf befinden sich eingelegtes Gemüse, Paprika, Zucchini, Aubergine, Tomate, Zwiebeln, Rucolasalat, viele Parmesanbrocken und drei Scheiben Vitello Tonnato, wobei die Thunfischcreme enttäuschend lasch wirkte (9,50 Euro). Dafür war das italienische Olivenöl, das zum Dippen für ansonsten belangloses Weißbrot bereitgestellt wurde, exzellent, fruchtig und charakterstark. Und der großzügig eingeschenkte rosa Prosecco perlte temperamentvoll vor sich hin (0,1 l für 5 Euro).

Riesig war das Kalbskotelett in Salbei, rosig gebraten wie gewünscht, auch zart, dazu gab es winzig geschnittenes Auberginengemüse (26,50 Euro). „Surf & Turf“ kombinierte den halben Hummer mit einem ziemlich großen Steak vom „Friesisch Ochs“. Dazu gab es bunt gemischten Salat mit Cherrytomaten. Der Hummer ließ sich leicht aus der Schale lösen, hatte keine elektrisierend frische Aura und schmeckte durchschnittlich gut. Der „Ochs“ war gut gewürzt, ziemlich zart, innen rosig. Gutes Handwerk. Dazu gab es zwei Dips, einmal Kräuter, einmal Cocktail, beide eher langweilig (31,50 Euro).

Die Weinpreise sind so kalkuliert, dass man mit einer Flasche deutlich besser bedient ist als mit den 0,1er-Gläsern. Der sizilianische Nero d’Avola aus dem Jahr 2006 bot für 22,50 Euro ein akzeptables Preis-Leistungs-Verhältnis. Nach alter Italiener-Sitte gab es am Schluss sogar noch einen Grappa aufs Haus.

Das Schokoladensoufflé brauchte nur acht Minuten bis zur Fertigstellung, war innen flüssig und außen von Vanillesauce umgeben, setzte aber ansonsten den stromlinienförmigen Eindruck der anderen Gerichte fort (6,50 Euro).

Wenn man nicht gerade ein verliebtes Raucherpärchen ist und in den gemütlichen Loungesesseln im Würfel kuschelt, wird man es schwer haben, hier den besonderen Touch zu finden. Mühe und Ehrgeiz sind erkennbar, aber leider schimmert gepflegte Langeweile durch. Es fehlt das Unvergessliche. Das macht es zu einem klassischen Business-Restaurant. Bei Geschäftsessen reicht es oft, wenn Gerichte einfach zu essen sind und nicht zu schwer im Magen liegen. Aber vielleicht findet sich ja doch noch mal ein I-Tüpfelchen. An den Dips könnte man wirklich mal feilen.

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