Kolumne: Von TISCH zu TISCH : Mesa

Alles aus einer Küche. Das bietet das "Mesa" im Hyatt am Potsdamer Platz – sinnfällig wird das Konzept durch die Idee ergänzt, nur kleine Häppchen anzubieten, globale Tapas gewissermaßen.

Bernd Matthies

Fusion, Crossover, East-meets-West – Vokabeln aus dem Baukasten der modernen Küche. Die Idee kulinarischer Brücken über die Kontinente begann schon mit der Ausbreitung der Nudel im Mittelalter. Die ersten Fusion-Rezepte des 20. Jahrhunderts waren vermutlich Toast Hawaii und Putensteak Bombay. Dann entdeckten amerikanische Küchenchefs das Thema, nahmen asiatische Gewürze, Methoden und schließlich auch Anrichtungsideen in ihr Repertoire auf; dieser Trend überkreuzte sich mit der europäischen Autorenküche und ging schließlich im kreativen Kochdurcheinander der Neuzeit auf.

Diese Verschmelzung aller globalen Einflüsse führt andererseits dazu, dass viele Gäste wieder nach dem wirklich oder vermeintlich Authentischen suchen. Also entmischen sich die Dinge, vor allem in der der mittleren Gastronomie, dort, wo kein persönlicher Ehrgeiz waltet. Der Boom vietnamesischer Speisestuben im Ostteil Berlins ist ein Symptom dieser Entwicklung, ein anderer ist die Tendenz zu panasiatischen Restaurants. Von dort ist es nur noch ein kleiner Schritt bis zum weltumspannenden Konzept: Alles aus einer Küche. Das bietet das „Mesa“ im Hyatt am Potsdamer Platz – sinnfällig wird das Konzept durch die Idee ergänzt, nur kleine Häppchen anzubieten, globale Tapas gewissermaßen.

Entsprechend zitiert auch das aufwendige Design die Rustikalität der traditionellen Tapas-Bar, wendet sie aber geschickt in die Postmoderne. Der Gast kann innerhalb dieses Rahmens alles haben, vom kleinen Salat bis zum ausladenden Rund-um-die-Welt-Menü. Die Karte ist zur Orientierung locker in kleine Vorspeisen, Hauptgänge und Desserts unterteilt, die je nach Zutaten zwischen 5 und 15 Euro kosten. Wir bestellten zunächst fünf Vorspeisen: Putenbrust à la Vitello tonnato, Hummersalat mit Zuckerschoten, Tomaten und Estragon, Hummus mit Minze und Tomaten-Gurkensalat, thailändischen Rindfleischsalat sowie geräucherten Butterfisch mit Ketakaviar und Crème fraîche. Das alles zeigte das Know-how einer großen Hotelküche, aber auch das Grundsatzproblem dieser Allerweltsauffassung: richtig authentisch, also prononciert gewürzt, schmeckte nichts davon, man merkte die überwältigende Tendenz, es unbedingt allen Gästen recht zu machen.

Dies setzte sich auch bei den Hauptgängen fort. Knusprige Ente süß-sauer, Lammkoteletts mit Zaziki, Wokgemüse mit Erdnüssen und Koriander – alles war handwerklich einwandfrei aus guten Frischprodukten zubereitet, aber – die richtig gute Ente ausgenommen – einfach zu brav, zu sehr auf einen mittleren Geschmack ausgerichtet, um richtig großen Spaß zu machen. Und die Ricotta-Spinat-Ravioli mit Salbeibutter fielen komplett aus der Wertung, denn sie wirkten in ihrer konturlosen Schlaffheit wie aus dem ganz großen Sack geholt. Gute, preisgünstige Weine querweltein.

Für wen ist das also geeignet? Sicher für alle Gäste, die Entscheidungsfreiheit haben wollen, zumal für kleinere Gruppen, die sich sonst nie auf ein Restaurant einigen können. Und für ein schnelles Häppchen mit einem Glas Wein vor oder nach dem Kino drängt es sich förmlich auf. Unkompliziert, schnell, gut, das ist mehr, als viele andere Restaurants hinkriegen.

Mesa im Hotel Grand Hyatt, Marlene-Dietrich-Platz 2, Mitte, Tel. 25531234, täglich ab 12 Uhr.

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar