Kolumne: Von TISCH zu TISCH : Nea Knosso

Auberginensalat und Mixed Grill

Elisabeth Binder

Es ist immer wieder erstaunlich zu sehen, wie konservativ der Geschmack der Menschen ist. Das führt auch in der Restaurantszene öfter mal zu Ungerechtigkeiten, wenn innovative Restaurants mit phantasievoller Karte und wagemutigen Köchen im preiswerteren Segment leer bleiben, während sich die Leute in den althergebrachten Traditionslokalen drängen. Früher kochte man zypriotisch im Nea Knosso, das sich rühmt seit 1982 ein Familienbetrieb zu sein. Inzwischen ist man auf kretisch umgeschwenkt, aber einen großen Unterschied macht das nicht. Die Feinheiten der Küchenrichtung stehen auf jeden Fall zurück hinter dem Prinzip, dass hier volle Teller auf den Tisch kommen. Vielleicht ist deshalb auch das Restaurant so voll. An langen Tafeln sitzen auch viele Kinder.

Immerhin ist die „Orektiko“ genannte Kombination von knoblauchhaltigem Aubergingensalat mit Tsatsiki, Peperoni und schwarzen Oliven sinnvoll, das könnte man auch Favoritenteller nennen (4,90 Euro). Mit Tomaten, Zwiebeln, Oliven und weichem Weißbrot sind die zwei deftigen Feta-Triangeln kombiniert, auch das eine gute, konservative Interpretation der Vorspeise (4,30 Euro).

Was an dem Mixed Grill nun modern und kretisch war, habe ich nicht ganz verstanden. Ein Spieß Souvlaki, eine ordentliche und etwas fettige Portion Gyros, ein kräftiges gegrilltes Hackfleischsteak, Bifteki, dazu Tsatsiki, reichlich Backkartoffeln und ein kleiner Salat mit allerdings sehr würzigem Dressing (9,80 Euro), wirkt auf mich so konservativ wie der Geschmack des klassischen Griechen-Fans. Es ist mir immer ein bisschen unheimlich, wenn solche Fleischberge zu sehr kleinen Preisen angeboten werden. Das Seezungenfilet in einer dicklichen Senf- und Zitronensauce war ebenfalls ein ordentlicher Sattmacher, verführte aber auch nicht gerade zum Jubel (9,90 Euro).

Auch die Nachspeisen bewegen sich im altvertrauten Magnetfeld zwischen Halva und Joghurt mit Honig und Nüssen. Aber es ist offensichtlich das Vertraute, was die Leute hierher zieht. Die Kellner sind flott, fröhlich und großzügig, gehen am Ende des Abends mit der Ouzo-Flasche durchs Lokal. Obwohl die Getränkeauswahl nicht sehr groß ist, hat man Sorgfalt walten lassen. Es gibt einen ausgewogenen Retsina, einen säuerlichen, frischen kretischen Landwein und den dunkelrotsamtigen Nemea (0,2 = 3,20 Euro). Wenn man sich ein Glas teilen will, kommt der Kellner sogar mit einer kleinen Karaffe an, damit das sauber vonstatten geht. Es sind so kleine Details, die der Atmosphäre eines Restaurants das gewisse Extra geben und es erfolgreich machen. Immer wieder wird man in Berlin auf der Straße angesprochen und in allen nur denkbaren Akzenten nach möglichst preiswerten Lokalen gefragt, in denen man gut satt wird. Wenn’s mehr nicht sein muss, ist das Nea Knosso tatsächlich keine schlechte Wahl.

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