Kolumne: Von TISCH zu TISCH : Ressort

Rinderrücken mit Minz-Salsa

Das Ressort ist ein versponnener, verspielter Ort mitten in Berlin. Schwer zu finden. Kein Hinweisschild weist dem Touristen den Weg zu dieser Oase am Spreekanal, gleich hinter dem Hamburger Bahnhof. Aber die Suche lohnt sich. Von der Invalidenstraße läuft man eine ganze Weile über das Kopfsteinpflaster bis zu einem unspektakulären, halb geöffneten Tor. Dahinter liegt der Strand mit allem, was dazugehört: Hollywoodschaukel, Hängematte, Liegestühle, Flachbildschirme. Hinter dem großen Sandkasten für Cocktail-Fans öffnet sich das Grill-Restaurant wie eine alte Dschunke. Man kann auf dem Dach Platz nehmen, aber da ist es unter Umständen etwas zugig. Schwarze Sitzkissen federn das Holz von Bänken und Stühlen ab. Es ist still, es ist grün, es ist im Auge des Hurricanes. Die Menschen sehen akademisch bis künstlerisch aus, tragen schwarz umrandete Brillen und reden auch mal englisch miteinander.

Vom Grill duftet es. Die Kellnerin, eine Schönheit, die sich berechtigte Hoffnungen machen kann, an diesem Ort für die Film- oder Modelszene entdeckt zu werden, lässt sich anfangs etwas Zeit, ist aber warm und herzlich. Der smarte Restaurantchef will uns erst umplatzieren, weil wir an einem reservierten Tisch Platz genommen haben, lässt es aber dann, da er noch andere Möglichkeiten sieht.

Warum Prosecco mit Eis gleich zwei Euro teurer ist als ohne, soll das Geheimnis des Hauses bleiben, ohne war er jedenfalls in Ordnung (4,50 Euro).

Das Speisenprogramm ist modern und sommertauglich. Nur selten bekommt man ganze Artischocken zum Auseinanderpflücken und Dippen. Diese war kein bisschen holzig, dazu gab es Salsa, Vinaigrette und eine Rouille, eine gehaltvolle helle Mayonnaise, die auch den Fischgang begleitete. Auf dem Artischockenboden verbarg sich eine köstliche Caponata aus Auberginen und Pinienkernen (11 Euro). Ein runder Auftakt zu einem schönen Ort.

Auch der Beef Tea hielt mehr, als er in dieser kurzen Bezeichnung versprach. Ein großes Glas, gefüllt mit einer kräftigen Brühe, knackiger Gemüse-Julienne und winzigen Rindfleischwürfeln (6,50 Euro). Dazu sehr gutes knuspriges Baguettebrot und Olivenöl in der Salzrandschale. Die Hauptgerichte lassen sich nach dem Baukastenprinzip kombinieren. Die Dorade war klein, sehr grätig und wurde rustikal im Ganzen serviert, hatte aber einen angenehm dezenten Grillgeschmack. Dazu gab es einen kleinen Salat im bewährten Öl und eine gelb leuchtende Knoblauch-Safran-Mayonnaise, die nach meinem Geschmack noch deutlich prägnanter hätte ausfallen können (17 Euro).

Die Tranchen vom ganzen gegrillten Rinderrücken sind eine Spezialität des Hauses, sehr kräftig im Geschmack und im Großen und Ganzen rosig und zart. Dazu gab es auch einen Salat, außerdem köstliche Pommes Alumettes und eine Salsa mit Minz-Geschmack, herrlich sommerlich (17,50 Euro). Wer etwas mehr Geld dabeihat: Für zwei bis drei Personen wird ein Porterhouse vom US-Prime-Beef auf den Grill geworfen (88 Euro), außerdem gibt es New York Strip-Loin vom Wagyu (47 Euro).

Zum Dessert müssten wir unbedingt das hausgemachte Cassis-Eis probieren, davon seien alle begeistert, sagte uns die noch zu entdeckende Schönheit. Sie hatte recht, die schwarzen Johannisbeeren schmeckten sehr schön durch. Das Mangokompott, das als Mangosalat annonciert worden war, war weniger aufregend. Da fehlten schlicht Kräuter oder Gewürze, die was draus gemacht hätten.

Südafrikanische Weine waren in den letzten Wochen sehr en vogue, dabei hätte man uns den „Two Oceans“ zunächst fast als kalifornisches Gewächs verkauft. Der Wein hatte aber diese runde, sonnensatte, typisch südafrikanische Note und dazu einen Roséton, der sich gefährlich einem schrillen Pink näherte, dem Geschmack aber nicht abträglich war.

Es gibt noch einen weiteren Grill auf dem Gelände, auch preiswerte Würstchen – eine kulinarische Sommerdemokratie haben die Betreiber des Rodeo Clubs und der Fleischerei hier etabliert. Und nicht nur fleischliche Gelüste werden befriedigt. Die Karte bietet Gegrilltes auch für Vegetarier.

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