Kolumne: Von TISCH zu TISCH : Sandak

Es ist eine Menge los in der brandenburgischen Gastronomie, komisch eigentlich in dieser klammen Zeit.

Bernd Matthies
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Sandak im Hotel Seeschlösschen, Buchwalder Str. 77, Senftenberg, Tel. (03573) 3789-0. Di-Sa, nur Abendessen.

Es ist eine Menge los in der brandenburgischen Gastronomie, komisch eigentlich in dieser klammen Zeit. Grad frisch: Magdalena Cupal-Schmitt, die vielversprechende Küchenchefin im „Humboldthain“, Brandenburg/Havel, hat gekündigt, schade drum. Ich nehme meine Empfehlung bis zum nächsten Besuch erst einmal zurück. Dafür gibt es was Neues, und zwar in der tiefen Lausitz, einer Gegend, die zumindest für den eingesessenen West-Berliner so weit weg ist wie der Mond.

Dabei ist Senftenberg, der südlichste Winkel des Bundeslandes, ein ganz adretter Ort am grünen See, der sich herausgeputzt hat für Windsurfer und alle anderen, die Lust auf Wasser haben. Ziemlich nah am See steht das „Seeschlösschen“, ehemals „Lausitztherme“, ein kleines Hotel mit einer attraktiven, ungewöhnlich großen Sauna- und Wellnessabteilung samt Außenpool. Die überladene Gestaltung ist absolut nicht mein Geschmack, aber ich bin ja wegen des Essens hier, und das wird dort mit Anspruch gepflegt: Der Besitzer möchte sein Restaurant „Sandak“ als führende Gourmet-Adresse zwischen Berlin und Dresden etablieren.

Das sollte an der handwerklichen Fertigkeit der Köche nicht scheitern. Leider arbeiten sie aber nicht mit den besten Produkten, und so kam ein ausgedörrtes, versalzenes Rotbarbenfilet auf den Teller, wie es eigentlich nur aus Tiefkühlware entstehen kann, und in einer wunderbaren Oliven-Brioche-Hülle steckte ein seltsam festes Lammrückenfilet, das vermutlich unzureichend abgehangen war.

Das Drumherum zeigt aber hohen Ehrgeiz: Der Fisch wurde von Petersilienwurzel-Espuma, Estragongelee und sauer marinierten Gemüsen originell begleitet, das Lamm kam mit Honig-Zwiebel-Marmelade, zur sauber gebratenen Taubenbrust gab es ein echtes Stück Languste in knusprig gebackenen Teigfäden mitsamt Walnüssen, gepfefferter Birne und Frischkäseflan – und selbst die Desserts wie das Sauerrahmeis mit Pumpernickelpudding und Heidelbeeren waren gut gelungen. Ja, ich weiß, das ist alles ein wenig überladen, man kann diesen Stil kritisieren. Aber niemand muss, wenn er nach Senftenberg fährt, ein Stullenpaket einpacken (Hauptgänge um 20, Menüs 30/66 Euro, unten am See einfache Brasserie mit toller Terrasse).

In Richtung Bad Saarow dagegen wäre ein Stullenpaket wohl die bessere Lösung. Die vielversprechend modische Küche der Villa Contessa (Seestr. 10, Bad Saarow, Tel. 033631 - 58018, nur abends, Mo/Di geschlossen) ist im letzten Jahr durch eine biedere, bürgerlich-mediterrane ersetzt worden, die sich hinnehmen ließe, wenn nicht die Preise völlig abgedreht wären. Für eine Vorspeise aus ein paar Salatblättern mit Zuckerschoten und einem halben gebratenen Stubenküken werden 24 Euro abgezogen; das wäre nicht einmal dann gerechtfertigt, wenn die Küche daran denkt, den auf der Karte versprochenen grünen Spargel auch auf den Teller zu legen. Perlhuhnbrust auf Tomatenrisotto 32 Euro, Lachs mit Senfkohl und miesen Kartoffeln 31, ach, es lohnt die Mühe nicht. Für dieses Geld gibt es nebenan im „Windspiel“ auf Schloss Hubertushöhe feine, besternte Edelküche.

Oder, natürlich, in der „Bleiche“ in Burg. Für 69,50 Euro hat uns Küchenchef Oliver Heilmeyer jetzt im Restaurant 17fuffzig dieses Menü serviert: Kräuter und Gemüse aus dem Hotelgarten mit gebratener Riesengarnele und Kohlrabimousse, Steinbutt mit Pedro-Ximenez-Sauce, Mangold und Pata-Negra-Schinken, Rehrücken in Kirsch-Pfeffersauce mit Steinpilzen, „Transparenz“ von Holunderblüten, Himbeeren und Schokolade. Oder regional Inspiriertes: Saiblingsfilet in Leinölschaum mit Fenchelpollen, Kalbszunge auf zweierlei Art in Kräuterbuttersauce. Alles ausgefeilt bis ins Detail, handwerklich perfekt.

Dazu passen fabelhafte Weine aus einem schier endlosen Keller, der Service ist informiert, nett und zugewandt – ich sah mich in meiner Meinung bestätigt, dass dieses Restaurant nach wie vor das beste in Brandenburg ist.  (Bleichestr. 16, Burg/Spreewald, Tel. 035603-620, nur Abendessen von Di-Sa.)

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