Kolumne: Von TISCH zu TISCH : Tugra

Knusprige Auberginen mit Knoblauchjoghurt

Elisabeth Binder

Das Ambiente ist gediegen wie bei einem Italiener mit hoher Promidichte. Es speist sich aus schweren braunen Korbstühlen mit hellen Sitzkissen, Teelichtern in modernen Gläsern, modernem weißen Porzellan. Hohe, vielversprechend gefüllte Weinregale schützen die Wände. Allenfalls die leicht schnörkeligen Kronleuchter dämpfen den Eindruck schlichter Eleganz.

Das Tugra strahlt das Selbstbewusstsein eines gehobenen Boulevardrestaurants aus. Als türkisches Weinlokal ist es seiner Zeit schon fast voraus. Zwar sind die Weine sehr viel besser geworden in den letzten Jahren, und es gibt auch mehr Auswahl, aber insgesamt hinkt die Türkei dem mediterranen Durchschnitt doch noch weit hinterher. Wir probierten mit Gewinn zum ersten Mal einen türkischen Rosé, einen fruchtigen 2007er Lal (16,50 Euro). Seltsamerweise gibt es ausgerechnet bei den offenen Weinen keine türkischen Angebote. Der Umgang mit dem Wein ist ansonsten durchaus vorbildlich. Als wir zu erkennen gaben, dass wir uns ein 0,2 Glas offenen Chianti teilen wollten, brachte der nette Kellner gleich zwei 0,1er Portionen an (5 Euro). Die Kellner, mit langen weißen Schürzen, sind überhaupt schnell und aufmerksam. Vom eiskalten Prosecco zum Einstieg (2,80 Euro) bis zu dem mit drei Ausrufezeichen versehenen Trinkgeld-Hinweis „Tip is not included“ am Schluss fühlt man sich wie in einem internationalen mediterranen Restaurant.

Die Zeit der Folklore ist vorbei, jetzt wird innovativ gekocht. Wo man früher oft die volle Knoblauch-Dröhnung bekam, wird das gesunde Gewächs hier vergleichsweise sparsam, aber raffiniert eingesetzt. „Haydari“, ein Püree aus Joghurt, Knoblauch und Minze, hatte einen feinen Geschmack, ohne die Penetranz, die der Klassiker Cacik oft hat, bei dem Gurken die Minze ersetzen. Leider war die Portion viel zu klein geraten (4,50 Euro). Auch „Patlican Biber Kizartmas“ waren gelungen: die in gutem Olivenöl gebratenen Auberginen waren fast knusprig, nicht so voll gesogen mit Fett wie oft, dazu Paprika, Tomatensauce und Knoblauchjoghurt in einer dekorativ angerichteten Mischung (6,50 Euro). Das heiße, mit Sesam bestreute Fladenbrot war in appetitliche Streifen geschnitten.

Die Hauptgerichte brachten weitere angenehme Überraschungen mit sich. Ein linealförmiger Streifen Lammhack, sehr schön scharf gewürzt, lagerte auf einem mit würziger Sauce bestrichenen Streifen Fladenbrot, dazu gab es gegrillte Tomate und Gemüsereis. Vorweg kam in einer aparten Porzellanschüssel gemischter Salat in gutem Öl (12,50 Euro).

Eine der Steinofen-Spezialitäten des Hauses war direkt auf ein geschmeidiges Geschmackserlebnis hin konzipiert. Zuvor gab es den bereits beschriebenen Salat, dazu auf einem Extrateller den Gemüsereis. Das runde weiße Bett aus Auberginenpüree mit Joghurt-Knoblauchsauce, auf dem das überraschend fettarme und zarte Lammgeschnetzelte lag, hatte eine angenehm sanfte Konsistenz . Das wirkte viel leichter als es dem Gehalt nach sein konnte, aber eben darum zum Wegschaufeln gekonnt (13 Euro).

Die eigentliche Sünde hoben wir uns bis zum Schluss auf. Das Dessert „Künefe“ verrät noch einmal etwas von dem Ehrgeiz, türkische Klassiker mit italienischen Akzenten aufzuwerten. „Das dauert aber 20 Minuten“, warnte der nette Kellner, als wir den Fladenteigkuchen mit Mozzarella und Zuckersirup bestellten. Den Kuchen muss man sich von der Konsistenz her wie Knusperspaghetti vorstellen, sehr süß, aber der Käse passt fabelhaft dazu. Nichts, was man jeden Tag essen würde, hier fehlte die Leichtigkeit des ersten Eindrucks ganz, aber als Festtagsdessert sehr geeignet (5,50 Euro).

Für kleinere Festgesellschaften bietet sich auch der mit besagten Weinregalen vom geräumigen eigentlichen Restaurantraum leicht abteilbare Wintergarten an. Insgesamt ist das Lokal groß genug für eine Hochzeit, wobei ich mir vorstellen könnte, dass traditionellere Gäste Schwierigkeiten mit dem modernen Stil des Hauses hätten. Das mit der Prominentendichte scheint immerhin zu stimmen. Als sich der Regierende Bürgermeister vor der benachbarten Haustür absetzen ließ, checkte er erst mal mit einem langen Rundblick, wer da so auf der Terrasse saß.

Tugra, Kurfürstendamm 96, Charlottenburg-Wilmersdorf, Tel 3234027, geöffnet: 11:30 bis 24 Uhr

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