Kolumne: Wissenshunger : Fragen an den Fisch

Im Märchen vom Fischer und seiner Frau kehrt der arme Mann immer wieder zurück auf See, um den magischen Butt zu fragen, ob er nicht den neuesten Wunsch der Nervensäge daheim erfüllen kann.

Mir geht es vor der Fischtheke ähnlich. Zunächst kaufe ich einen Fisch und dann kehre ich unweigerlich zurück und frage mich: Sollte ich doch lieber wilden Fisch kaufen statt ein Tier aus der Aquakultur? Lieber einen Fisch aus der Nordsee statt dem Südpazifik? Was ist gesünder? Was hat weniger Giftstoffe?

Dass Fisch im Großen und Ganzen eine sinnvolle Ergänzung des Speiseplans ist, das weiß heute jedes Kind. Aber sobald es darum geht, welcher Fisch von wo denn nun besser als nur gut ist, wird es kompliziert. Kein Wunder, dass die Berlin-Brandenburgische Akademie der Wissenschaften diese Woche einen ganzen Abend zur „Ernährung aus dem Meer“ veranstaltete.

Hartmut Rehbein vom Institut für Sicherheit und Qualität bei Milch und Fisch, das zum bundeseigenen Max-Rubner-Institut gehört, machte zunächst deutlich, dass Fisch essen sehr gesund ist: Schließlich enthalten die Tiere viel Eiweiß, viel Vitamin D und die begehrten Omega-3-Fettsäuren. Weil diese Fettsäuren beim Aufbau des Gehirns eine wichtige Rolle spielen, sollten gerade Schwangere und ältere Menschen darauf achten, genügend davon aufzunehmen, sagte Rehbein.

Grundsätzlich gilt: Je fetter ein Fisch, desto mehr Omega-3-Fettsäuren enthält er auch. Nur für Zuchtfische muss das nicht unbedingt stimmen. „Die sind in der Regel zwar fetter als ihre wilden Artgenossen, wie viel Omega-3-Fettsäuren sie enthalten, hängt aber davon ab, wie sie ernährt werden“, sagt Rehbein. Nur wenn die Tiere viel Fischöl erhalten, haben sie hinterher auch einen hohen Gehalt an Omega-3-Fettsäuren. Guter Fisch wird eben aus Fisch gemacht.

Und die Belastung mit Giften? Olaf Päpke ist wissenschaftlicher Direktor von Eurofins, einem Labor, das unter anderem Proben von Fischen auf diverse Giftstoffe untersucht. „Über Schwermetalle muss man sich heute weniger Sorgen machen als früher“, sagt er. Deren Gehalt habe sich etwa in Fischen aus der Nordsee in den letzten 20 Jahren um mehr als 80 Prozent reduziert. Auch persistente Kohlenwasserstoffe, wie zum Beispiel Dioxine, seien heute weniger vorhanden. Lediglich Aale, die in Flüssen gefangen wurden, könnten immer noch eine sehr hohe Belastung aufweisen. „Da sind Sie dann besser dran, wenn Sie einen Zuchtaal kaufen“, sagt Päpke. Grundsätzlich gelte: Fische von der Südhalbkugel seien weniger belastet als Fische von der Nordhalbkugel, egal ob sie aus der Zucht oder dem Meer stammen.

Manches Dilemma lässt sich nicht lösen. So haben Fische mit höherem Fettgehalt mehr Omega-3-Fettsäuren, aber auch mehr Giftstoffe, wenn sie aus belasteten Gewässern stammen, da diese sich im Fett anreichern. Und Fische von der Südhalbkugel enthalten zwar weniger Dioxine oder Schwermetalle. Dafür werden in der Fischzucht in Asien, besonders in Vietnam, China und Indien, aber häufig Antibiotika und Hormone eingesetzt.

Letztlich bringt es wenig, wie Ilsebill alles zu wollen. Ein Fisch ist erstmal gesund – und wenn er dann auch noch schmeckt, hat er seine Aufgabe erfüllt.

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