Zeitung Heute : Kombinationen und Bausteine - Pauschalreiseveranstalter will mit Angeboten für ferne Länder Profil gewinnen

Gerd W. Seidemann

In der Heimat tüchtig Flagge zeigen, für die Ferne Kunden gewinnen. So könnte das Motto von TUI Deutschland für das Jahr 2000 lauten. Einerseits wird sich Europas größter Pauschalreiseveranstalter für die und auf der Expo im kommenden Jahr in Hannover engagieren, andererseits präsentiert man in den jetzt vorgelegten Katalogen für den Sommer ein stark ausgebautes Fernreiseprogramm. Da das Fernreisesegment bei TUI bisher nur zehn Prozent des Gesamtvolumens von 6,1 Millionen Gästen ausmacht, soll es jetzt durch Frühbucher-Rabatte entsprechend forciert werden. Insgesamt hat der Veranstalter unter dem Dach der Hapag Lloyd Touristik Union (HTU) 30 neue Länder- und Spezialkataloge für den Sommer 2000 in die Regale der Reisebüros gelegt.

Als Touristik-Partner der Weltausstellung in Hannover hat TUI ein Baukasten-Angebot ausgearbeitet, mit dem Tickets, Hotels, Führungen und Transfers individuell zusammengestellt werden können. Mehr als 100 Hotels in Hannover selbst und im Umland der Leinestadt umfasst das Programm. Eintrittskarten für die Expo können in unterschiedlichen Varianten und Kategorien gebucht werden. Darüber hinaus können Besucher nach Interesse zwischen sechs unterschiedlichen Varianten von Führungen wählen: einem zweistündigen Orientierungs-Rundgang, vier Themenparkführungen sowie einer so genannten VIP-Führung. Bei der Möglichkeit der Anreise nach Hannover rät der Veranstalter dringend vom eigenen Auto ab. Pauschalbesuchern bietet TUI einen Transfer vom Hotel zum Expo-Gelände. Ein ausführlicher Katalog zum Thema Expo erscheint im Januar. Die Reservierung bestehender Bausteine ist jedoch bereits jetzt im Reisebüro möglich.

Um sich im Bereich Fernreise stärker zu profilieren, haben die Hannoveraner breitgefächerte Kombinationen und individuell buchbare Bausteine zusammengestellt. Mit mehr als 120 Rundreisen und Sonderprogrammen findet der Urlaubsplaner hier eins der umfangreichsten Angebote auf dem Markt. Dem Verbraucher wird es entgegenkommen, dass das Programm sowohl Rundreisen aufweist, die ein ganzes Land oder zumindest dessen touristischen Höhepunkte vorstellen, als auch Trips, die nur auf eine bestimmte Region eines Landes focussieren. So wird der fündig, für den ein Land ganz neu ist und über das er sich zunächst einmal einen Überblick verschaffen möchte, und auch der Reisende fühlt sich nicht unterfordert, der bereits früher einmal den "Einstieg" in ein Land gefunden hat. Beispiel Malaysia: Hier ist die Kombination Langkawi, die malayische Halbinsel und Singapur möglich oder der Sprung in den zu Malaysia gehörenden Nordostteil von Borneo, wo die Region Sabah und das Sultanat Brunei auf Rundreisen erkundet werden können. Daneben besteht jedoch auch die Möglichkeit, sich etwa vor oder nach einem Badeurlaub auf Langkawi intensiver mit dem Sultanat zu beschäftigen und dort sieben Tage "Brunei intensiv" zu erleben.

Wie bei anderen Veranstaltern auch, wird die Kombination aus Bade- und sogenanntem Erlebnisurlaub verstärkt ausgebaut. So etwa auf Sri Lanka mit seinen kulturell interessanten Schauplätzen und den Malediven. Auch in Thailand ist die Kombi von Rundreise und Badeurlaub sehr gefragt, ein Angebot, das mehr als die Hälfte aller TUI-Gäste in Anspruch nimmt. Thailand räumt der Veranstalter übrigens im kommenden Jahr noch große Wachstumschancen ein. Neben Rundreisen in Australien, Neuseeland, Kanada oder Südamerika sind auch Kurzkreuzfahrten in Fernost und der Karibik in den Katalogen zu finden.

Rund um das Mittelmeer und etwas darüber hinaus hat der Reiseriese eine Palette wie kaum ein anderer. In allein 15 Katalogen ist das "Warmwasserangebot" im Mittelstreckenbereich zum Schwarzen und Roten Meer, an die Atlantikküste sowie auf die Kanarischen Insel ausgebreitet. Gefragt sind natürlich vornehmlich Strandhotels für den reinen Badeurlaub, doch Sonne und Strand allein reicht vielen Gästen nicht. Deshalb gibt es mehr Angebote für Bergwanderungen, für Touren mit Geländewagen, Tennis-, Golf- und Malkurse, Segeltörns und Nilkreuzfahrten, Inselhüpfen oder Gesundheitsurlaub. Besonders stark engagiert sich TUI an den Stränden von Ägypten. In Hurghada eröffnet erstmals ein Club der TUI-Marke FreeWorld und am Golf von Aqaba erschließt der Veranstalter seinen Gästen das neue Feriengebiet Taba. Der Robinson Club "Soma Bay" am Roten Meer, ebenfalls unter dem TUI-Dach, präsentiert nun einen hauseigenen Meisterschafts-Golfplatz. Übrigens, wer in einem Robinson Club Urlaub machen möchte, muss demnächst von Berlin aus nur noch 150 Kilometer weit fahren. Am 28. April eröffnet die Anlage Fleesensee am Rand des Müritz Nationalparks. Neben einer großzügigen Thermenlandschaft mit Erlebnisbad und den übrigen Annehmlichkeiten eines Clubs werden Golfen, Reiten, Segeln und Tennis spielen angeboten.

Die Preise auf dem Pauschalreisemarkt entwickeln sich nach Aussage von TUI-Geschäftsführer Norbert Munsch "sehr uneinheitlich". Günstiger werden zum Beispiel Bulgarien, Marokko und Zypern. Stabil bleibt das Preisniveau für Kuba und die Dominikanische Republik, wo sich die Hannoveraner ohnehin nicht an dem herrschenden Preiskrieg zwischen einigen Anbietern beteiligen möchten. "Geringfügig teurer" hingegen wird der Urlaub in Spanien, Tunesien und Griechenland. Trotz deutlich gestiegenen Dollarkurses konnten Fernreisen insgesamt auf einem "für den Kunden akzeptablen Niveau" gehalten werden, so Munsch.

Bei der TUI gibt man sich übrigens optimistisch, dass der Anteil der Pauschalreise am gesamten Reisemakt weiter kräftig wächst. Ließen sich 1998 erst 44 Prozent aller deutschen Urlauber die Reise organisieren, waren es in diesem Jahr bereits 47 Prozent. Norbert Munsch zeigt sich zuversichtlich, dass der Anteil der "Do-it-yourself"-Reise weiter abnimmt und schon im Jahr 2001 unter die 50 Prozent-Marke fällt.

Alle Informationen zu den Sommerprogrammen des Veranstalter findet man auch im Internet unter www.tui.com

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