Zeitung Heute : Kommt die Quittung, bleiben wir...

Der Tagesspiegel

Wir ziehen den Hut vor den Kölnern, besonders vor den dortigen Sozialdemokraten. Als es seinerzeit um den Regierungsumzug nach Berlin ging und der Untergang der ganzen Region anstand, haben sie Fantasie bewiesen und sich wirtschaftlich selbstständig gemacht. Eine eigene Währung gehörte dazu, von der bis zum Ernstfall niemand wissen durfte: die Kölner Spendenquittung (SQ Kölsch). Heimlich wurde sie von der Parteispitze in Umlauf gebracht; man drückte sie Klempnern und Dachdeckern statt der Mark in die Hand, gab sie in der Familie weiter und steckte sie in den Strumpf. Harmlos, bis die Sache aufflog - und nun doch die eine oder andere Frage aufwirft. Ist die SQ frei konvertierbar, wie steht der Kurs zum Euro? Wie gut ist die Fälschungssicherheit der neuen Währung, gibt es auch gestückelte Quittungen in Münzform, beispielsweise fürs Parkhaus? Ein großer SQ-Vorteil liegt gewiss darin, dass sie beim Finanzamt in Zahlung gegeben wird und deshalb zur Steuerflucht ganz ungeeignet ist, ein großer Nachteil darin, dass sie bislang nur im kleinen rheinischen Kreis anerkannt wird. Deshalb fordern wir Berliner Euro-Opfer wie damals die DDR-Bürger: Kommt die Quittung, bleiben wir/kommt sie nicht, geh´n wir zu ihr! Sollen die Kölner mal sehen, wie sie dann eine Währungsunion hinbekommen.

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