KOMÖDIE„Das Schmuckstück“ : Hilfe, mein Chef ist eine Frau

Foto: Concorde
Foto: Concorde

Glückliches Frankreich! Dort gibt es nicht nur die atemberaubende Isabelle Huppert neben großartigen Kolleginnen wie Isabelle Adjani, Sandrine Bonnaire oder Juliette Binoche, sondern auch die alle überstrahlenden Königinnen der Leinwand, Jeanne Moreau, Fanny Ardant und Catherine Deneuve. Seit François Ozon die beiden letzteren in seiner Boulevard-Komödie „8 Frauen“ wie Wildkatzen aufeinander losließ, ist klar: Diese Diven verstehen auch noch verdammt viel Spaß in eigener Sache.

Weisheit und Witz, Schönheit und Selbstironie: Catherine Deneuve kann die Kombi am besten. Ozons jüngster Streich „Das Schmuckstück“ nach einem Boulevard-Theaterstück über die Siebziger ist ganz ihr Film. Als Fabrikantengattin Suzanne joggt sie im Adidas-Anzug mit Lockenwicklern durch den Park, dichtet Verse auf kopulierende Hasen, räumt mit einem fröhlichen Chanson auf den Lippen die Spülmaschine aus und lässt sich von ihrem Mann, dem Fabrikdirektor Pujol (herrlich cholerisch: Fabrice Luchini), als „Potiche“ bezeichnen, als Ziervase.

Was Pujol nicht ahnt: Sein Schmuckstück in den mal spießig gemusterten, mal üppig geblümten Kleidern vor fliederfarbenen oder poppigen Dekors – sein so bonbonbunt verpacktes Schmuckstück hat es faustdick hinter den Ohren. Als das Herz des Ausbeuters schlapp zu machen droht, übernimmt Suzanne kurzerhand die Leitung der Regenschirmfabrik (à propos: Mit „Die Regenschirme von Cherbourg“ begann 1963 Deneuves Laufbahn), exportiert nach China und versöhnt die streikenden Arbeiter durch Güte und neues Design mit dem Willen der Profitmaximierung. Mit ideologieübergreifendem diplomatischem Geschick reanimiert sie ihre Jugendliebe zu Gérard Depardieu, der als kommunistischer Abgeordneter Ansehen genießt, treibt die Emanzipation der Sekretärinnen voran, befördert das Coming-out ihres Sohnes, stolpert bei ihrer steilen Karriere jedoch über eine Intrige der konservativen Tochter. Und täglich grüßt der Retro-Look.

Muss Suzanne wieder zurück zu Hasen und Herd? Nichts da. Geht sie eben in die Politik, spannt als Mutter der Nation einen großen Regenschirm über all ihren Landsleuten auf und feiert bald Wahlsieg – mit einem fröhlichen Chanson auf den Lippen. Glückliches Frankreich! Wir haben Merkel und Schwarzer, die Grande Nation hat die Deneuve. Köstliche Komödie über die Macht der Frauen. Christiane Peitz

F 2011, 103 Min., R: François Ozon, D: Catherine Deneuve, Gérard Depardieu, Fabrice Luchini, Judith Godrèche

Autor

Hintergründe und Expertisen zu aktuellen Diskussionen: Tagesspiegel Causa, das Debattenmagazin des Tagesspiegels.

Hier geht es zu Tagesspiegel Causa!

0 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben