KOMÖDIE„Der Diktator“ : Die Regeln mache ich

Foto: PPG
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Er hat Kasachstan beleidigt und Österreich, Madonna und Eminem, Schwulenhasser und Bingospielerinnen. Nun nimmt Sacha Baron Cohen im Verein mit Regisseur Larry Charles die spätestens seit Chaplins „Der große Diktator“ höchste denkbare Humorhürde und knöpft sich die Zunft der Diktatoren vor. Nordkoreas Kim Jong Il (dem der Film in „liebender Erinnerung“ gewidmet ist), Ghaddafi und Saddam leben nicht mehr, also bricht der britische Komiker eine Lanze für den allerletzten Tyrannen: Er spielt einen gewissen General Aladeen, den bärtigen Alleinherrscher des Operettenwüstenstaats Wadiya. Ein durchgeknallter Despot, Israelhasser und Atombombenbastler – Ahmadinedschad lässt grüßen. In dieser Maskerade hat Cohen bereits die Oscarverleihung aufgemischt und gibt seitdem den PR-Provokateur in eigener Sache.

Einen Typen mit den Waffen des schlechten Geschmacks vorführen, den eh keiner leiden kann, ist kein leichtes Unterfangen. Tritt man dabei doch – anders als bei der Verballhornung argloser Interviewpartner („Borat“) oder schwuler Modestars („Brüno“) – sperrangelweit offene Türen ein. Also versucht Cohen es erneut mit bösen Unkorrektheiten, vom Niederknallen der Konkurrenz beim olympischen Sprint über die Ironisierung grausamer Folter und Flirts mit dem Antisemitismus bis zur geköpften Morgan-Freeman-Leiche.

Obendrein reichert er den „Diktator“ mit Stars wie Ben Kingsley und John C. Reilly an – und mit Gemeinheiten gegen Sympathen, allen voran der Besitzerin eines New Yorker Bioladens. Dorthin verschlägt es Aladeen wegen eines Auftritts vor der UNO, der qua Entführung vereitelt wird. Es folgen Verwechslungsklamauk mit Double, Gegenkomplott und Ökofundamentalisten-Ulk, der dem Zuschauer noch die witzigsten Passagen von „Der Diktator“ beschert.

Leider geht Regisseur Charles diesmal mit einem simplen Plot (samt Lovestory, oh je!) auf Nummer Sicher, während der Baron auf Zoten setzt. Sex statt Politik, als tauge Letztere nicht für Pornografisches und scharfe Sottisen wie die finale Negativbilanz der US-Demokratie. Ansonsten ist und bleibt Cohen am besten, wenn er sich in Sprachspielereien verliert, sich in Rausch und Rage redet, ins Delirium der Worte, Dialekte, Akzente, Zitate. Kein Wunder, dass ausgerechnet die Masturbationsszene dem Film einen echten Höhepunkt beschert. Mäßig komischer Klamauk. Christiane Peitz

USA 2012, 80 Min. R: Larry Charles, D: Sacha Baron Cohen, Anna Faris, Ben Kingsley, Megan Fox

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