KOMÖDIE„Eltern“ : Die Familie als Irrenhaus

Foto: DCM
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Zum ersten Mal giftig wird es nach 20 Minuten. Weil das Salz fehlt. Ein Küchendialog am Ende eines langen, anstrengenden Tages. Alles könnte gut sein. Aber es ist kein Salz da. Sie fragt, mit eisigem Unterton: „Warst du nicht einkaufen?“ Er antwortet ziemlich laut: „Nein ich war bei der Probe, meiner Arbeit. Daran wirst du dich jetzt gewöhnen müssen.“ Worauf sie eingeschnappt entgegnet: „Entschuldigung, da muss ich mich erst einmal dran gewöhnen.“ Der Abend ist gelaufen.

Christiane Paul und Charly Hübner spielen mit großartigem Furor ein Elternpaar, bei dem sich an jedem Alltagskinkerlitzchen ein Streit entzünden kann. Die Nerven liegen blank, weil alles kompliziert zu werden beginnt. Konrad hatte sich in den letzten Jahren um die Töchter Käthe und Emma gekümmert. Nun will er zurück in seinen Beruf.

Er ist Theaterregisseur, gerade haben die Proben zu seiner Inszenierung von Hebbels „Nibelungen“ begonnen. Aber Christine, die als Ärztin für das Familieneinkommen sorgte, kann jetzt nicht kürzertreten. Sie möchte zur Oberärztin aufsteigen, dafür muss sie Präsenz zeigen in der Klinik. Und das argentinische Au-pair-Mädchen, das zu Beginn der Handlung in Berlin landet, erweist sich als Problemfall. Es ist schwanger. In einer Schlüsselszene wirft Christine Konrad vor, er rede „wie eine frustriere Hausfrau aus den fünfziger Jahren“. Konrad kontert: „Dann bist du der passende Mann dazu, der Angst hat vor seinen Kindern.“

Familien, das zeigt „Eltern“, sind fragile Gebilde. Der Film pendelt zwischen Groteske und Melodram und dreht dabei immer weiter an der Eskalationsschraube. Das übliche Rollenmuster mit einem Vater als Ernährer und der Mutter als Hausfrau ist in dieser Kreuzberger Familie zwar umgedreht. Aber einfacher wird dadurch nichts. Weil keiner sich unterbuttern lassen möchte. Konrad, eben noch ein Mustervater, der Kuchen backte, Kindergeburtstagspolonäsen anführte und Gutenachtsketche aufführte, wird zum Nestflüchter.

Um endlich einmal keine Rücksichten mehr nehmen zu müssen, zieht er ins Theater. Womit das Theater aber erst richtig anfängt. Konrad verstrickt sich in Kämpfe mit den rebellierenden Darstellern und in einen Flirt mit seiner Bühnenbildnerin. „Eltern“ startet als Komödie und wird zum Thriller. Familien – so lautet die Botschaft – sind manchmal ein Irrenhaus. Aber es lohnt sich, um sie zu kämpfen. Sehenswert. Christian Schröder

D 2013, 100 Min, R: Robert Thalheim, D: Charly Hübner, Christiane Paul, Maren Eggert

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