KOMÖDIE„Love is all you need“ : Hochzeit mit Hindernissen

Foto: Prokino/Fox
Foto: Prokino/Fox

An der Amalfiküste duften die Zitronenblüten noch mal so süß wie sonstwo in Italien. Hier steht – über einer kleinen Bucht in den Zitronenhainen – eine prächtige alte Villa, die seit Jahren ungenutzt vor sich hinschlummert, weil der schwerreiche Besitzer nach dem Unfalltod seiner Ehefrau vor den Erinnerungen flieht. Doch jetzt kommt frischer Wind in die Gemächer. Der Sohn des Eigentümers ist mit seiner Zukünftigen angereist, um das Haus für ein rauschendes Hochzeitsfest zu richten.

Susanne Bier gilt seit ihren frühen Dogma-Filmen als Spezialistin für dramatische Familienstoffe. Eine Krebskrankheit und eheliche Untreue stehen auch am Anfang dieses Films. Doch dann setzt ein kleiner Autounfall die Komödienmechanik in Gang: Denn die verhuscht herzenskluge Friseuse Ida (Trine Dyrholm) und der unterkühlte Geschäftsmann Philip (Pierce Brosnan) könnten gegensätzlicher nicht sein, haben aber mit der Hochzeitsfeier ihrer Kinder das gleiche Ziel. Dort trudeln bald auch andere Mitglieder der beiden Familien ein, darunter die liebeswirre Schwägerin (herrlich hysterisch: Paprika Steen) und ihre pubertierende Tochter, eine plappernde Ballermann-Biene, feurige Italiener und schwelende Identitätskrisen. Und natürlich Landschaft, Sonnenuntergang und Meer.

Überraschen kann „Love is all you need“ (Originaltitel übersetzt: „Die kahle Frisörin“) nicht wirklich, aber das erwartet auch niemand von einer romantischen Komödie. Dafür revanchiert sich das hinreißend besetzte und von Biers Stammautor Anders Thomas Jensen geschriebene Ensemblestück mit emotionalen Nebentönen, die über das Genreübliche hinausgehen. Überfordert ist nur Pierce Brosnan, der als graumelierter Dressman in der Szenerie herumsteht. Drastisch unterfordert dagegen Kim Bodnia, der in seiner eindimensional angelegten Rolle als tumber Ehegatte nur chargieren kann.

Der Soundtrack gibt sich regionaltypisch mit Streichern und Mandolinen rund um das „That’s Amore“- Motiv. Eigentlich also alles da, um sich zum Retro-Trip in den Kinosessel zu kuscheln. Störend nur, dass auch die Rollenbilder von vorvorgestern sind. Besonders gegen Ende ist die europäische Koproduktion nur ein oberflächlich aktualisierter, als Wahlverwandtschaften verfilmter Lore-Roman mit beklemmend rückwärtsgewandten Geschlechterklischees. Eine Regisseurin garantiert eben noch kein emanzipatives Kino. Nostalgisch.Silvia Hallensleben

DK/S/I/F/D 2012, 116 Min., R: Susanne Bier, D: Pierce Brosnan, Trine Dyrholm, Molly Blixt Egelind, Sebastian Jessen, Paprika Steen, Kim Bodnia

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