KOMÖDIE„Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe“ : Im Hippie-Himmel

Christian Schröder

Ein Tropfen Ketchup kleckert aus dem Hotdog des Computerspielentwicklers Ole auf das Jackett seines Kollegen Robert. Und weil in drei Stunden dieses wichtige Meeting mit den Chinesen ansteht, muss das Jackett sofort gereinigt werden. Was dazu führt, dass Robert in der nächstbesten Schnellreinigung plötzlich, getrennt nur durch den Tresen, der Inhaberin Monika gegenübersteht. Er blickt tief in die braunen Augen – schon ist es um ihn geschehen.

Wir befinden uns in „Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe“, dem neuen Film von Leander Haußmann („Sonnenallee“). Die Liebe ist ein Wunder, manchmal ist sie auch nur verwunderlich. Am meisten wundert sich Robert Zimmermann (Tom Schilling, Foto) wohl über sich selbst. Weil er sich mit 26 in eine 20 Jahre ältere Frau verliebt. Die will erst einmal wenig von ihm wissen. Als alleinerziehende Mutter eines heftig pubertierenden Sohns scheint sie mit der Liebe bereits abgeschlossen zu haben. Monika und Robert sind ein völlig unmögliches Paar. Und genau deshalb, so will es der Gott des Kinos, müssen sie zueinander finden.

Robert Zimmermann heißt so, weil seine Eltern Bob-Dylan-Fans waren und ihm den bürgerlichen Namen des Idols gaben. Der Geist der sechziger Jahre schwebt von Anfang an über diesem Film. Haußmanns Mischung aus anarchischem Slapstick und hemmungsloser Romantik orientiert sich an Hippie-Klassikern wie „Die Reifeprüfung“, „Alice’s Restaurant“ und „Harald und Maude“. Die Story nach einer Bestseller-Vorlage ist nicht so stark wie bei diesen Filmen, aber Haußmann beherrrscht die Kunst, Alltagssituationen ins Groteske eskalieren zu lassen.

Ein nächtlicher Ausflug von Robert und Monika endet in einer absurden Choreografie, bei dem eine „Hair“-artige Ballett-Truppe durch ein Wasserbassin tanzt. Vor Monikas Schnellreinigung hockt ein Althippie, der immer wieder – halb Diogenes, halb Möchtegern-Dylan – das Geschehen auf seiner Lagerfeuerklampfe kommentiert. Und in der schönsten Szene tritt kurz vor Ende sogar noch James Garfunkel auf, der Sohn von Art Garfunkel, der genauso aussieht wie sein Vater und genauso eine glockenhelle Stimme besitzt. Er singt „Life, I love you!“, Papas Hit, und rät Robert, seinen Eltern dankbar zu sein. Kurzweilig. Christian Schröder

„Robert Zimmermann wundert sich über die Liebe“, D 2008, 102 Min., R: Leander Haußmann,

D: Tom Schilling, Maruschka Detmers, Adam Oest

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