KOMÖDIE„To Rome with Love“ : Drunter und drüber am Tiber

Foto: Tobis Film
Foto: Tobis Film

Es scheint, als habe Woody Allen beschlossen, sein filmisches Spätwerk nicht mit dem Grübeln über Sinn, Gerechtigkeit und den Tod zu belasten, das ihn in vielen Filmen beschäftigte. Stattdessen zieht es ihn hinaus in die Welt, möchte der New Yorker noch einmal etwas anderes sehen als Times Square, Central Park und Brooklyn Bridge. Und sei es, um von diesen Reisen mit der Erkenntnis zurückzukehren, dass es zu Hause eben doch am schönsten ist.

Nach London in „Match Point“ und „Scoop“, Barcelona in „Vicky Christina Barcelona“, Paris in „Midnight in Paris“ ist jetzt also Rom an der Reihe. Die Ewige Stadt strahlt im warmen Morgenlicht, ein Verkehrspolizist hält einen charmanten Prolog, und auf dem Soundtrack läuft „Volare“ – Ausgangspunkt für vier getrennte Geschichten, die der Film parallel erzählt. Da gibt es Leopoldo (Roberto Benigni), der aus heiterem Himmel wie ein Prominenter behandelt wird. Oder den amerikanischen Architekturstudenten Jack (Jesse Eisenberg, rechts), der sich in die Schauspielerin Monica (Ellen Page, links) verliebt, obwohl er ihre pseudointellektuelle Verführungsmasche von Anfang an durchschaut.

Woody Allen tritt nach sechsjähriger Leinwandabstinenz selbst auf, als pensionierter Opernregisseur, der sich in den Kopf setzt, einen Bestattungsunternehmer (Fabio Armiliato) zum Opernstar zu machen. Und schließlich gibt es noch das frisch vermählte Paar Antonio und Milly (Alessandro Tiberi und Alessandra Mastronardi), das aus der Provinz nach Rom gereist ist, um Antonios reiche Verwandtschaft mit der Braut bekannt zu machen. Bevor es dazu kommt, werden sie getrennt und erleben jeder für sich einen ereignis- und versuchungsreichen Tag: sie mit ihrem Lieblingsschauspieler Luca Salta (Antonio Albanese), er mit der Bilderbuch-Prostituierten Anna (Penélope Cruz), die er in seiner Not der Verwandtschaft als seine Braut vorstellt.

Diese Geschichte ereignet sich an einem einzigen Tag, wogegen sich Jacks und Monicas Affäre über Wochen hinzieht. Dennoch verschränkt Woody Allen die verschiedenen Stränge, als spielten sie sich parallel ab. Diese Erzählweise kommt den skizzenhaften Einfällen entgegen und verhindert, dass die triviale Essenz einiger Episoden allzu schwer ins Gewicht fällt. Letztlich überwiegt die Freude, dass es auch in diesem Jahr – dem dreißigsten in Folge! – wieder einen neuen Film von Woody Allen zu sehen gibt. Beschwingt.David Assmann

USA/I/E 2012; 112 Min., R: Woody Allen, D: Woody Allen, Roberto Benigni, Alec Baldwin, Jesse Eisenberg, Ellen Page, Penélope Cruz

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